19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 21682 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 16.06.1887
 

Frankfurt a/m d. 16ten Juni 1887.
Liebes Fräulein,
inliegend sende ich Ihnen ein vor einigen Tagen erhaltenes Schreiben, aus dem Sie den Thatbestand sehen. – Ich hatte das Gefühl es nicht anzunehmen, frug aber doch aus Vorsicht Bendemanns ob mein Gefühl das Richtige sei, die es entschieden verneinten; sie meinten man dürfe hohen Herrschaften eine solche Gunst nicht refüsiren. – Ich bitte Sie nun mir den Namen u. Titel der Dame zu nennen an die ich mich zu wenden hätte und mir gütigst nochmals einen Prospectus zu schicken.
Fürerst wäre es mir nun aber sehr lieb, ehe ich drauf schreibe zu wissen ob überhaupt die Möglichkeit der Aufnahme für diesen Herbst vorhanden wäre? Dann ob es möglich sein wird Julien täglich mindestens zwei Stunden für ihr Clavierspiel zu bewilligen? Sie wird darauf vorzugsweise angewiesen sein und kann nach meiner Erfahrung nur in ihrem jetzigen Alter die nöthige technische Sicherheit gewinnen. Es ließe sich doch gewiß machen daß sie, anbetracht dieses von einigen Stunden, die nicht unbedingt nöthig sind, also etwa Singen, Handarbeit einstweilen, und Zeichnen. Vom wissenschaftlichen Unterricht möchte ich nichts gestrichen sehen. Also, liebes Fräulein, bitte sagen Sie mir baldmöglichst, ob ich eine Aussicht habe!
Mein Logis bei der Moritz habe ich nun wieder vom 4ten Aug. an gemiethet, und freue mich herzlich Sie dort bald wieder zu sehen. –
Mit schönsten Grüßen
Ihre
alt ergeb
Clara Schumann.

Bitte, sagen Sie mir ganz offen, finden Sie auch, daß ich das v. d. Kronprinzeß annehmen muß? es will mir gar nicht zu Sinn.
Um Rücksendung des Inliegenden bitte ich.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 14
Briefwechsel Clara Schumanns mit Mathilde Wendt und Malwine Jungius sowie Gustav Wendt / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-86846-025-4
145f.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.