19.12.2019

Briefe



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ID: 21693 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 05.06.1888
 

Frankfurt a/m. d. 5/6.
Liebes Fräulein!
Herzlichen Dank für Ihre lieben Briefe möchte ich Ihnen doch sagen, Sie glauben gar nicht, mit welcher Beruhigung ich Juliens gedenke, da ich Sie dort weiß. Daß sie aber eine andere „Zimmerdame“ bekommen, thut mir sehr leid, und ich lasse Frl. Beaulieu herzlichst bitten, es einzurichten, daß Julie im Herbst wieder zu ihr komme. Sagen Sie ihr auch meinen freundlichsten Dank für ihren Brief.
Nun muß ich Ihnen doch auch sagen, daß mich sehr bestürzt hat, was Sie mir von den Sorgen Ihres Bruders mittheilten; Ein ungerathener Sohn gehört wohl zu den schrecklichsten Sorgen und kann ich dies ganz mitfühlen. Daß Ihre Nichte so kränklich sei, wußte ich gar nicht, Berlin war dann aber wohl auch nicht das Richtige für sie; ich meine, was das Klima u. das ganze Leben dort betrifft. Nun, es läßt sich hoffen, daß der Sommer ihr Genesung bringe.
Eugenien ist doch der Aufenthalt in der Mayens bei Sitten so ausgezeichnet bekommen; wäre das nicht vielleicht etwas für Ihre Nichte, wenn deren Leiden vielleicht auch nervöser Art ist? Ich würde Ihnen gern alle weiteren Aufschlüsse geben, wenn Sie es wünschten.
Sie haben ja wieder schöne Pläne, wäre ich doch jünger, um auch noch solche Untersuchungsreisen riskiren zu können!
Ich denke, daß wir den 5. oder 6. Aug. nach Obersalzberg kommen, u. freue mich herzlichst, Sie Beide dort zu sehen; die Kürze Ihres Aufenthaltes ist freilich ein Dämpfer auf die Freude, aber immerhin besser wie nichts.
Mir geht es gar nicht gut, bin mit Rheumatismus in hohem Maße gequält; es helfen eben alle Bäder nichts, und doch hofft man immer wieder.
Wollen Sie Julie von uns grüßen, sie wird Ihnen wohl erzählt haben, daß sie in den Ferien ihre Brüder besucht, wo dann auch der Vater hinkommt. Daß sie Ihnen Freude macht im Clavierspiel ist mir sehr lieb, wie Sie denken können.
Nun, alles Weitere mündlich, für heute nur herzlichen Händedruck Ihnen Beiden von
Ihrer
getreuen
Clara Sch.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 14
Briefwechsel Clara Schumanns mit Mathilde Wendt und Malwine Jungius sowie Gustav Wendt / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-86846-025-4
174ff.
 



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