15.07.2019

Briefe



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ID: 21702 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 23.12.1888
 

Frankfurt. d. 23. 12.
Liebes Fräulein!
Heute schreibe ich Ihnen, um Ihnen und Ihrer lieben Freundin meine herzlichsten Glückwünsche zum neuen Jahre zu senden, und vor Allem wünsche ich, daß das Unwohlsein der Letzteren vorübergehend sein mag. Ich kann mir denken, welche Sorge Ihnen dies macht! Könnten Sie nur gleich etwas nach der Riviera gehen, was so Viele jetzt thun. Ich glaube, mir wäre das auch ganz gut, denn ich werde meine Schmerzen gar nicht los, spiele jetzt gar nicht, und habe doch immer Schmerzen. Das Concert in Berlin schlägt mir Joachim jetzt für den 27. Januar vor, aber in Form einer Kammermusik und ein darauf folgendes Orchesterconcert unter Mitwirkung des Stern’schen Vereins (Wiederholung des Manfred). Wie finden Sie diesen Vorschlag, der von Martin Levy ausgeht, u. einstweilen noch ganz Geheimniß ist? Der Stern’sche Verein giebt nämlich am 1. Febr. den Manfred u. scheint mit Levy auf eine Wiederholung zu hoffen. Ich habe auf diesen Vorschlag noch nicht geantwortet u. werde noch ein paar Tage damit warten.
Julchen ist nun hoffentlich auch glücklich bei ihrer Mutter angelangt! wie ungern ließ ich sie dorthin! – konnte es aber doch nicht übers Herz bringen, es ihr abzuschlagen. Diese hat uns in letzter Zeit wieder viele Aufregung gebracht, wovon ich Ihnen mündlich einmal erzähle. Leider steht ihr eine Operation an der Brust bevor, was aber Julie wohl nicht erfahren wird. Ihre Mittheilung über der Letzteren Husten beunruhigt mich doch etwas, ich habe immer das Klima in Berlin für Julie gefürchtet – wie schlimm bewährte sich dies.
Ich habe viel zu schreiben, u. kann es, wie Sie sehen, nicht selbst, schließe daher mit der Bitte uns Ihre liebevolle Theilnahme auch für das nächste u. folgende Jahre zu bewahren. Meine Töchter vereinigen sich mit mir in den wärmsten Wünschen für Sie und bin ich
Ihre
getreue
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  SBE: II.14, S. 192f.
 



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