15.07.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 21705 Brieftext


Geschrieben am: Montag 07.01.1889
 

Frankfurt d. 7. Jan.
Liebes Fräulein!
Dank für Ihren lieben Brief. Ich habe wegen Julie doch noch an Fräulein Henne selbst geschrieben, Sie brauchen also wegen dieser Sache nicht mit ihr darüber zu sprechen. Von ihren Brüdern, die viel weniger bekommen haben wie sie habe ich so nette, ausführliche Briefe bekommen, daß sie sich schämen müßte. Nicht allein mir schreibt sie ganz flüchtig hin – weg gehend über Alles, sondern ignorirt beinahe die Geschenke der Tanten, deren sie nur in der Ueberschrift an mich erwähnt. – Ich bin ganz außer mir darüber, u. lasse sie gewiß so bald nicht wieder zu der Mutter.
Wenn es überhaupt noch Zeit ist, auf ihren Charakter günstig einzuwirken, so ist es, glaube ich, jetzt die höchste Zeit.
Nun, zu etwas Anderem, unserem Concerte. Wie es damit werden wird, habe ich noch keine Idee; einstweilen ist mir der Gedanke, jetzt in Berlin zu concertiren, sehr peinlich, ich habe aber Joachim noch nicht darüber geschrieben, erwarte Brief von ihm – er steht ja der Familie auch sehr nah. Sie erfahren, so bald etwas entschieden ist.
Wir erwarten Brahms noch heute, der am Freitag im[?] Quartett seine neue Sonate spielt, u. die Zigeunerlieder begleitet, da wird es Musik geben, u. das ist sehr gut, ich kann eine Zerstreuung u. Erheiterung gebrauchen. – Die Sonate ist ganz herrlich, u. ihr habe ich in letzter Zeit manche schöne Stunde zu danken.
Leben Sie wohl, tausend Grüße Ihnen Beiden
von Ihrer
getreuen
Clara Sch.

Das Leipziger Concert ist nun auf den 7. März verschoben.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  SBE: II.14, S. 196f.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.