15.07.2019

Briefe



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ID: 21754 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 04.06.1892
 

4 Juni 1892.
Liebe Mathilde, lange blieb ich Ihnen die Antwort auf Ihre lieben Briefe schuldig, zum Theil lag es daran, daß ich immer hoffte Ihnen sagen zu können wo wir den Juli und August zubringen würden, theils aber auch daran, daß ich recht schwere Zeit in Locarno durchlebte, die mich zu nichts Muth fassen liess. Sie wißen ich gieng Eugenien dorthin nach, fand sie auch entschieden besser; nach einigen Tagen aber wurde sie recht krank, und machte uns viel Sorge. Jetzt geht es ihr wieder beßer, aber nach dem Rathe des Artztes [sic], müßen wir uns doch entschliessen, diesen, und nächsten Monat getrennt zu sein, da ihr die grösste Ruhe, und besonders warmes Clima nöthig ist, keine zu sehr anregende Luft, die ich aber doch etwas suche.
Wir haben nun den Gedanken vorläufig nach Luzern zu gehen (ich erwarte Marie morgen hier.) und von dort aus einiges kennen zu lernen, und für Juli auszuwählen; wir denken sehr an Bürgenstock, wo es sehr angenehm sein soll, und etwa halbe Rigi Höhe hat. Sobald wir uns für etwas entschieden haben, theile ich es Ihnen mit und hoffe sehr daß Sie dann auch dorthin kommen. Ich verspare mir daher auch Alles weitere bis auf mündlich, denn ich kann nicht einmal selbst schreiben, wie Sie hieraus sehen, denn seit Anfang Januar leide ich an immerwährenden Schmerzen im rechten Arm.
So nehmen Sie denn fürlieb mit nur noch einem herzlichen Gruße an Sie Beide. Da es noch ganz unbestimmt ist wie lange wir hier bleiben, so bitte ich Sie auf alle Fälle die obige Adresse zu benützen, und mich bald mit einer Nachricht von Ihnen Beiden zu erfreuen. Der Tod des Vaters Ihrer Schwägerin, hat mich auf manche Gedanken gebracht, ob sich Ihnen dadurch für die Zukunft nicht auch manche Erleichterung erwächst? Wie sehr wünsche ich das!
Mit allen guten
Wünschen für Sie
stets
Ihre
getreue
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Basel
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  SBE: II.14, S. 278f.
 

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