19.12.2019

Briefe



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ID: 21771 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 20.06.1893
 

Frankfurt a/M d. 20 Juni 93
Liebe Mathilde
fürerst Dank für Ihr liebes Schreiben vom 14 Mai, dann die Adresse neulich, deren Empfang mir sehr lieb war, da ich es nun doch an der Zeit fand nach Interlaken zu schreiben, von wo ich aber noch keine Antwort habe. Wir haben die Idee dort selbst zu wirtschaften aufgegeben, da durch Schlangenbad uns doch fast 5 Wochen geraubt werden, f. Interlaken wohl kaum mehr als 6 Wochen bleiben.
Sehr begierig bin ich zu hören wohin Sie vor Interlaken zu gehen denken?
Recht sehr leid thut es mir, daß Sie so viel Sorge um Ihren Herrn Bruder haben! jedenfalls hat er sich die zweite Lungenkrankheit durch
Unvorsichtigkeit zugezogen. Die Folgen dieser Krankheit mahnen Einen ja lange noch immer daran, daß man noch nicht Alles überwunden hat. Gott sei Dank, daß er so schnell es überwand! aber die Tochter, ist sie denn lungenleidend? das ist ja sehr betrübend! – Wie geht es Ihnen, liebe Mathilde? Sie klagten in Ihrem Briefe. Vielleicht, hoffentlich haben Sie sich unnöthige Sorge gemacht? lassen Sie mich bald darüber wissen.
Meine Schwester und Laura Peters waren eine Woche bei uns! ich fand Erstere doch recht angegriffen. Denen sagt doch das Berliner Leben gar nicht zu, was mir herzlich leid thut. Wir leiden unter colossaler Hitze, und, keinen Tropfen Regen seit 4 Monaten! wie thun Einem die Landleute leid, welche Noth zeigt sich schon jetzt! –
Marie schließt diese Woche die Stunden, auch ich zum Theil, und wir hoffen sicher am 1 Juli in Schlangenbad zu sein. Es soll ein wundervolles Bad sein, dann der Wald so erquickend, überall ist man gleich im Wald. –
Nun leben Sie wohl, liebe beide Freundinnen. Mit Gott sehen wir uns im Aug in Interlaken.
In treuer Freundschaft
Ihre
Clara Schumann.

Käthe Prölls kann ich sehr empfehlen als Lehrerin, Frl. Sewe weniger, sie ist eine [sic] etwas exaltiertes Mädchen, – das aber unter uns.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 14
Briefwechsel Clara Schumanns mit Mathilde Wendt und Malwine Jungius sowie Gustav Wendt / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-86846-025-4
311ff.
 



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