15.07.2019

Briefe



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ID: 21772 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 31.08.1893
 

Interlaken d. 31 Aug. 1893
Liebe Mathilde,
herzlichen Dank für Ihre lieben Zeilen aus München, die uns doppelt erfreuten, als sie uns nur Gutes von Ihnen brachten. Nun sind Sie wieder in Berlin – das eingetretene kühlere Wetter wird Ihnen den Anfang in Berlin etwas erleichtern helfen. Wir haben hier seit einigen Tagen sonderbares Wetter, ein ewiger Kampf am Himmel. Neulich fuhren Vonder Muhlls und Marie nun wirklich nach der Wengen Alp, und hatten einen herrlichen Tag, kamen ganz erhoben zurück, aber auch mit erneuerter Lust zu weiteren Parthien. Marie ginge so gern ’mal auf den Abendberg, aber allein mit einem Führer, das macht ihr kein Vergnügen.
Sonst leben wir hier wie Sie es kennen, nur musikalisch bin ich wieder um einige Schätze reicher geworden durch Brahms. Hätte ich nur nicht das grausame Leiden, und ein besseres Clavier!
Was ist die Münchner Secession? wir verstanden es nicht?
Vonder Muhlls8 sind auch fort – sie gingen schwer, besonders Frau Loucky wäre wohl gern noch geblieben.
Nun leben Sie wohl, liebe Beiden, und lassen Sie bald wieder von sich hören. Auch meine Töchter grüßen herzlichst.
Getreu Ihre
Clara Schumann

Ihr Herr Bruder hat gewiß die neuen Stücke, die von großartigster Tiefe und Fantasie sind, von Brahms selbst gehört? ich meine die Neuen, die er mir kürzlich gesandt.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Interlaken
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  SBE: II.14, S. 314f.
 



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