15.07.2019

Briefe



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ID: 21786 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 21.08.1895
 

Interlaken d. 21 Aug. 1895.
Liebe Mathilde,
haben Sie Dank für Ihre lieben Karten. Viel dachten wir Ihrer die letzt vergangenen Tage, ach, wie so schwer für Sie das Zurückkehren in die dumpfe Stadt, und nun noch dazu das herrliche Wetter, das Sie hier hätten genießen können! es ist doch eine gar grausame Einrichtung mit dem Wiederbeginn der Schulen im August!
Wir hoffen Sie haben Ihre Rückreise gut, und ohne zu viel Anstrengung gemacht! es war, wie mir meine Schwester schrieb, so furchtbar voll auf allen Bahnhöfen, die Coupées überfüllt, die Züge verspätet, kurz, die Reise so unangenehm wie möglich. Das Wetter ist nun aber über alles Erwarten schön geworden, heute schon der 4te Tag ohne Gewitterwolken. Da thut es mir nun so leid, daß ich meine Töchter an allen größeren Ausflügen hindere! Auf dem Rugen war ich endlich gestern ’mal wieder – es ist aber sehr still um uns jetzt, und auch das Clavier schweigt fast ganz. Ihre Theilname an meinem Spiel hat mich immer so animirt! jetzt ist Niemand da, dem ich gern vorspielte. Johnson’s sind auf einer Bergtour schon seit 5 Tagen, u. schreiben ganz beseeligt heute von Mürren.
Mitzutheilen giebt es eben gar nichts, es geht Alles den alten Gang, wie Sie ihn kennen.
Leben Sie wohl, meine lieben Beiden, und möchte die gewohnte Thätigkeit Sie leichter über das Entbehren hinwegbringen, das wünscht von Herzen Ihre altergeb
Clara Schumann.

Die Töchter grüßen sehr.

Heute wollen wir zu Wach’s – die arme Frau Benecke sitzt immer noch auf Ried.
Das m. d. Handt. wird besorgt.

[Umschlag]
Fraeulein
Mathilde Wendt.
Berlin.
173 alte Jacobstr.
III

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Interlaken
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  SBE: II.14, S. 344ff.
 

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