19.12.2019

Briefe



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ID: 21799 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 10.01.1892
 

Frankfurt a/m. 10. Januar 92.
Liebe Mathilde und liebe Malwine,
Was müssen Sie denken, daß ich Ihnen noch nicht für Ihre lieben Weihnachts- und Neujahrsbriefe gedankt habe. Leider war der Grund mein wenig gutes Befinden; dazu kam aber das Mißgeschick, daß ich am Neujahrstag bei meinen Kindern Sommerhoff einen schweren Fall that, wobei ich noch von Glück sagen konnte, daß kein Glied meines Körpers gebrochen war. Wir wollten Neujahr mit den Kindern feiern und nun lag ich da, und mußte drei Tage dort liegen, ehe ich nach Hause konnte. Noch immer leide ich viel, denn der Fall hat mir im Rücken und Leib Muskelzerrungen zugezogen, deren Folgen ich wohl lange noch spüren werde. Sie können denken, wie tief traurig ich bin, und wie ich meine armen Kinder beklage, daß ich Ihnen so viel Sorge und Kummer machen muß. Ich leide besonders in den Nächten an großen Schmerzen, wo dann die theure Marie mir beisteht mit Pflege und Zuspruch. Daß ich Ihnen nicht eigenhändig schreibe, hat seinen Grund darin, daß ich mir bei dem Fall auch den Arm verstaucht habe. – Das alte Leiden währt auch so fort Tag und Nacht und ich will schließen, denn Freudiges habe ich Ihnen nichts zu sagen, wohl aber füge ich meine wärmsten Wünsche zum neuen Jahr für Sie bei, bringe es Ihnen Beiden nur Gutes. Warm und treu
Ihre Cl. Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 14
Briefwechsel Clara Schumanns mit Mathilde Wendt und Malwine Jungius sowie Gustav Wendt / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2011
ISBN: 978-3-86846-025-4
271f.
 



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