15.07.2019

Briefe



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ID: 22088 Brieftext


Geschrieben am: 17.10.1883
 

Liebste Elise,
ich wollte jeden dieser Tage schreiben, u. kam imemr nicht dazu! wir waren nämlich Sonntag Morgen bei herrlichem Wetter auf dem "Sommerhoff" udn so entzückt, daß ich gleich noch am Nachittag Euch schreiben wollte. Es ist doch ganz wunderschön, und wir haben uns Alles recht genau (?) angesehen. Da ist nun aber Marie eingefallen, ob es nicht gut wäre, wenn der Gärtner, der den Park zurecht macht, sich jetzt wo noch das Laub an den Bäumen ist, den Park ansieht, er bekömmt einen viel besseren Local-Eindruck und könnte leichter seine Änderungen überlegen, z.B. was Alles an Gesträuch fort muß, wie Manches hübscher angelegt werden könnte etc. überlegt das doch mal - wir könnten es ja gern übernehmen mit dem Gärtner den Ihr nehmen wollt, (wohl Süßmeyer(?) zu sprechen. d.h. nur, daß er sich dei Sache mal ansieht. Am Haus, wo Ihr die Veranda machen wollt, ist ein entzückender Ilex-Baum mit rothen Beeren der das Fleckchen reizend gemüthlich macht. Er muß leider fort wenn Ihr die Veranda baut, aber könnte er nicht verpflanzt werden, so daß er doch wieder unter der Veranda stünde? ich erwähne das, weil, sobald angefangen wird mit Bau, der Baum wohl gleich fortkäme und es wäre ein Jammer, ginge er zu Grunde, auch würde ich darauf bestehen, daß vorne vor dem großen Balkon die beiden [Bäume], dei seitwärts desselben stehen, nicht fortkömmen, auch diese tragen zur Gemüthlichkeit bei. [...] Ich hatte einen schlimmen Rheumatismus-Attacke, ich glaube es war Ischi. Heute geht es etwas besser. (Das ganze Bein bis in die Hüfte) Diese Woche ist furchbar troubulous Joachim, Gesellschaft, Prinzeß von Detmold, jeden Nachmittag von 4-5. zum Vorspielen (ich ihr) dann bis6 Uhr Thee. Sie genießt es aber so, daß man es doch gern thut, nur nimmt es mit so viel Zeit. Freitag haben wir sie Abends hier. Unseren Balkon-Ausbau hätten wir beinah vor einigen Tagen aufgegeben, ich hatte Gewissensbisse, aber es war wirklich doch auch etwas Hypochondrie kurz, es ist nun doch Alles dazu bestellt.
Lebt wohl, Ihr Lieben! mache ja Alles recht nach und nach mit dem Packen damit Du Deinen Rücken nicht übermüdest, bitte liebste Lising, sey vorsichtig, denek wie Dein Mann und Deine theueren Kinder Dich brauchen! Addio! mit Gott auf Wiedersehen
am 3. Nov.
zärtlich umarmt
Euch Euere
Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: Frankfurt a.M.
  Empfänger: Sommerhoff, Elise, geb. Schumann, Elise (3154)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:

  Druckort 1: Hermstrüwer, Inge und Kruse, Joseph A. 1996: „Treue Freunde sind gar selten...“. Aus Briefen Clara Schumanns. In: Clara Schumann 1819-1896. Katalog zur Ausstellung des Heinrich Heine-Instituts, Bonn S. 175f. (gek.)
 



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