Frankfurt a/m 8 Dez. 84.
Geehrter Herr Hildebrand,
Ihren freundlichen Brief vom 26. Nov. habe ich nicht früher beantwortet, weil ich erst den Verlauf meines Armleidens abwarten wollte u. immer noch die Hoffnung hegte, Sie in Leipzig zu sehen. Zu meinem großen Leidwesen ist aber das Übel so hartnäckig, daß ich dort gestern abschreiben mußte. Für das Modeliren meiner Büste wäre allerdings das Leiden insofern günstig gewesen, als ich fast nichts arbeiten kann und immer hie u. da, wie Sie sehen, dictire. Aber Sie haben ja gerade auf |2| das Spielen dabei gerechnet, u. daran ist jetzt nicht zu denken.
Daß Krankheit Ihres Kindes Veranlassung zu Ihrer Absage war, hat mir sehr leid gethan, ich hoffe aber daß Sie jetzt wieder ganz beruhigt sind, u. in Leipzig mit den lieben Herzogenberg’s5 schöne, u. trauliche Tage verleben – Ach, könnte ich da auch dabei sein.
Sollte sich Ihr Aufenthalt in Deutschland verlängern, u. Sie es doch noch einrichten können, meine Büste zu modeliren, so theilen Sie es mir gütigst mit. Ich bin, voraussichtlich, den ganzen Januar hier u. habe meine Schulferien |3| von Weihnachten bis Neujahr, wo mir dann für Sie noch etwas mehr Zeit bliebe.
Bemühen Sie sich nicht mit Schreiben jetzt, Herzogenberg’s lassen mir vielleicht eine Postkarte zukommen, nur mit der Mittheilung, ob Sie möglicherweise noch länger in Deutschland bleiben.
Unsere Reise nach Florenz im Frühjahr liegt doch noch etwas in grauer Ferne für uns.
freundliches Entgegenkommen u. zeichne mich in aufrichtigster Hochachtung
Ihre
Clara Schumann.
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