15.07.2019

Briefe



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ID: 22848 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 01.06.1888 bis: 30.06.1888
 

Thun, Juni 1888.

Liebe Clara,

sage also Herrn Müller: ich würde ihm von meinem Kopisten in Wien ein Exemplar der Symphonie zugehen lassen, in dem er beide Lesarten nebeneinander hat, sie also vergleichen kann und sich entschließen, ob er die alte aufführen will. Stimmen habe ich noch nicht, eine Abschrift der alten Partitur für sich allein ist aber soeben fertig geworden.

Hat Herr M. nun Lust und mag auch die Kosten der Stimmen dranwenden, so bitte ich ihn, mir das mitzuteilen, und zwar so bald als irgend möglich.

Herr M. könnte die Stimmen in Fr. schreiben lassen - lieber wäre es mir, wenn ich meinem Wiener Kopisten den Verdienst und die Arbeit über den Sommer verschaffen könnte - er hatte ja die schwierige und mühsame Arbeit der Partitur!

Also, wie gesagt, ich hoffe baldmöglichst Herrn Müllers Meinung und Absicht zu erfahren, damit die Arbeit vor dem Herbst ruhig fertig werden kann!

Durch die Aussicht, Dich dort zu sehen, hätte ich mich fast nach Stuttgart verführen lassen. Nun hatte ich doch recht, sehr daran zu zweifeln, Du scheinst durchaus nicht zu gehen? Statt dessen aber doch nicht in 6 Prüfungskonzerte! - Herrgott, wenn ich an all die Artigkeits- und Höflichkeitsverpflichtungen denke in solchem Fall! Kannst Du denn mit einer kleinen Auswahl durchkommen?

Auch bei Gelegenheit des - - - habe ich an Dich gedacht, und daß das wohl ein etwas mühsamer und bänglicher Genuß war?!

Jetzt ist es hier ganz wundervoll, aber für den August möchte ich allerdings überhaupt nicht zu einer Schweizerreise raten, und hier ist es auch sehr heiß! Herr Wendt, der dann aus seinem Schulstubendunst kommt, freut sich der frischen Luft und läuft spazieren wie der Jüngste.

Wer ist denn der vortreffliche Schüler, von dem Du so herzlich und warm schreibst - doch kein Engländer?

Euren Garten stelle ich mir behaglich und schön vor und würde gern jetzt einmal dort zum Frühstück auf Euch warten!

Mit herzlichen Grüßen,

Dein J. Br.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Tuhn ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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