15.07.2019

Briefe



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ID: 22859 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 05.01.1889
 

Meiningen, den 5. Januar 1889.

Liebe Clara,

ich denke am Montag abend 8.15 in Frankfurt einzutreffen, ein Restchen vom Abendbrot bleibt mir vielleicht?

Für Heermann wäre ich am Dienstag zu jeder Stunde bei ihm oder Dir bereit; wenn Du ihn siehst, frage ihn doch.

Dito für Stockhausen Quartett.

Joachim ist gestern abend abgereist, früher, als er wollte. Ein Telegramm über den Tod der Frau Franz Mendelssohn veranlaßte ihn, er will heute das Begräbnis mitmachen.

Ich hätte Dir gewünscht, die Tage hier mitzumachen, Du hättest große Freude gehabt. Im Konzert spielte d'Albert meine D Moll- und Joachim und Hausmann mein Doppelkonzert. Beide gingen vortrefflichst. Gestern früh spielte uns Joachim in einer Probe ganz herrlich das Konzert von Beethoven und meines.

Außerdem hatten wir die Tage von ihm die Ciaconne, die Fdur-Suite von Bach, von mir die neue Sonate, Trio usw.

Kurz, ein sehr gemischtes, aber doch stattliches Menu. Ich glaube, es war den Gästen sehr behaglich hier, und Dir wäre es auch so gewesen. Nur die unbequeme Reise erschwert für Dich die Sache, sonst würde ich Dich immer zu verführen suchen. (Lustig finde ich, daß der Herzog nicht schlüssig werden konnte, ob er Hausmann ein Ritterkreuz 1. oder 2. Klasse nachschicken solle, und ich ihm das erstere anheften helfen konnte.) Aber Montag abend können wir plaudern, also für heute addio und herzliche Grüße allerseits

von Deinem

Johannes.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
  Absendeort: Meiningen
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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