15.07.2019

Briefe



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ID: 22860 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 15.03.1889
 

Wien, den 15. März 1889.

Liebe Clara,

ich wünschte mir sagen zu können, es sei ein Brief verloren gegangen. Leider aber erinnere ich zu sehr, wie oft ich all die Zeit über mir wünschte und vornahm, Dir zu schreiben.

So mancherlei hat mich mehr als gewöhnlich interessiert und mich gereizt, auch zu Dir davon zu plaudern. Jetzt beneide ich Dich um Dein Tagebuch - mich erinnert nicht die kleinste Notiz an einen bestimmten Tag und was er etwa bedeutete oder brachte.

Ich schämte mich recht, als ich gestern Deinen freundlichen Brief hier vorfand, das wollte ich auch bloß jetzt sagen, herzlich danken dafür, und morgen hoffentlich morgen wenigstens flüchtig einiges erzählen.

Von Deiner Leipziger Reise hörte ich in Berlin; Dein Wirt gab mir seinen Segen, und ein Teil meines Publikums ging auch ab nach Leipzig - Frl. Wendt und ihre Freundin.

Du und Deine gegenwärtigen Biographen irren aber, wenn sie glauben, Du tätest erst jetzt dem F moll-Konzert von Chopin die Ehre an. Du hast es auch z. B. in Leipzig schon am 14. März 52 gespielt!

Wenn ich nun, wie gesagt, hoffentlich morgen weiterschreibe, muß ich eigentlich bei Frankfurt anfangen und wie schön es dort war, wie glücklich und froh ich auf der Reise und nachher zurückbrachte!

Für heute nur herzlichen Gruß

Deines

J. B.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
  Absendeort: Wien
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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