15.07.2019

Briefe



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ID: 22874 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 23.02.1890
 

Wien, den 23. Februar 1890.

Liebe Clara,

aus beiliegenden Brief von Hanslick (den ich gelegentlich zurück erbitte) siehst Du, daß gestern Probe und Aufführung von meinem H Dur-Trio war.

Ich hatte das Stück schon zu den Toten geworfen und wollte es nicht spielen. Das es mir selbst nicht genügen und gefallen wollte heißt wenig, aber wenn darauf die Rede kam, war niemand neugierig darauf, und jeder, auch Joachim, Wüllner,z. B., fing dann davon an, wie er erst neulich mit so vielem Vergnügen das alte Stück gespielt habe, und fand es schwärmerisch, romantisch und was alles.

Nun ist mir lieb, daß ich's doch gespielt habe, es war ein sehr vergnügter Tag. (Billroth konnte abends denn doch dabei sein.) Nur kann mir leid tun, daß ich es Dir nicht auch vorgespielt habe, d. h. in Frankfurt einen Kammermusikabend angenommen. Jetzt ist es wohl vorbei? Sonst wäre ich in Versuchung. Es kommt dazu, daß Wüllner Anfang oder Mitte März ein Chorkonzert hat, in dem ich alle meine neuen Motetten hören könnte und er gern das Trio als Zwischennummer hätte.

Als Hauptsache aber bitte ich, wenn Du den Brief von H. zurückschickst, ein Wort dazu zu schreiben, daß Du wieder ganz gesund und munter bist!

Für heute denn nur schönsten Gruß.

Dein

Johannes.

P.S. Wüllner klagt mir wiederholt, Du seist gegen den Sticht der Stimmen der alten D Moll-Symphonie. Da ist aber wohl irgendein Mißverständnis? Ohne Stimmen wäre ja die Ausgabe durchaus unnütz! Klingen soll ja die Symphonie in dieser Gestalt eben besser! Er schreibt mir, daß der Chorabend am 6. oder 13. März ist - nun sollte sich wohl entschließen

Dein Joh.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Wien ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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