15.07.2019

Briefe



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ID: 22879 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 01.06.1890 bis: 30.06.1890
 

Ischl, zweite Hälfte Juni 1890.[?]

Liebe Clara,

tausend Dank für Deine liebe Karte, auf der so viel Freundschaftliches steht, wie ich auf 4 Seiten nicht kriege - und die überhaupt so schön freundlich ist!

Zu erinnern brauchte sie mich nicht, ich wollte immer schreiben. Den Kalender aber habe ich leider nicht so gut in Gebrauch wie Joachim und beneide ihn recht, einen Tag so teurer Erinnerung mitgefeiert zu haben.

Ich sitze richtig und ruhig in Ischl und habe wohl jetzt die schönste Zeit des Sommers verbracht. Es waren herrliche Tage. Jetzt muß man sich auf Hitze, Regen und - viel Leute gefaßt machen. Zur Frühlingszeit könnte es auch Dir nirgends besser gefallen als hier. Es ist aber - kein Unglück - sondern ein Glück, daß es zu dieser Götterzeit aller Orten schön genug ist.

Auf zweierlei in Deinem letzten Brief muß ich noch sehr ernsthaft und lustig widersprechen.

Fürs erste ist meine Eitelkeit schwer gekränkt, daß ich dem Rektor Müslin ähnlich sehen, das Original zu diesem Bild sein soll! So erfährt man denn ganz beiläufig, was man eigentlich für eine Figur macht! Nein, diese Nachbildung meiner Person war unbeabsichtigt und ist nur durch Zufall mir so ähnlich geworden. Wirklich auftreten tue ich als "Freund aus Wien" in der letzten Reise des andern Buches - so pikant aber bin ich dort nicht geschildert! ....

Für heute nur noch allerschönste und herzlichste Grüße allerseits von

Deinem

Johannes.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Ischl ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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