15.07.2019

Briefe



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ID: 22885 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 16.12.1890
 

Wien, den 16. Dezember 1890.

Liebe Clara,

ich habe eine so deutliche Vorstellung davon, was für Ansprüche an Dich gemacht werden, daß die Sorge für Ferdinand und seine Familie Dir zumutet, wie Du mit Briefen und allem möglichen geplagt wirst -, daß ich mir dagegen gar nicht vorstellen kann, wie Du das alles bewältigst und durchführst.

Wirklich, so oft ich Deine liebe Handschrift auf dem Kuvert sehe, denke ich daran, und bin fast beruhigt, wenn ich drinnen einmal ein Diktat sehe.

An den Bürgermeister hast Du wohl indes ein kurzes Wort geschrieben, und seinerzeit braucht es auch nicht mehr, wenn Du ihm Deinen Schatz sendest.

Von Garantie und dergleichen zu reden wäre überflüssig, denn Du mußt Dich doch auf seine Sorgfalt verlassen und kannst es auch.

Übrigens ist wirklich nichts riskiert und doch auch noch nie bei solcher Gelegenheit etwas passiert. Zur Beethovenausstellung in Bonn habe ich auch ohne weiteres meine schönsten Sachen geschickt, wie die Berliner Bibliothek ihre großen Schätze - diese sah ich ein Jahr früher in Bologna!

Wegen Eures zukünftigen Musikdirektors muß ich jetzt an Dr.Sieger längere Briefe schreiben, als ich bis jetzt wohl nach Frankfurt (Dich eingeschlossen) adressiert habe!

Maszkowski kommt in Frage und jetzt habe ich Julius Sprengel in Hamburg sehr genannt. Ich weiß nicht, ob Du ihn kennst und vorkommenden Falls für ihn sprichst.

Marie erkundigte sich gelegentlich nach Lexika. Gerade ist die neueste (11.) Ausgabe von Jul. Schuberts Musik-Konversationslexikon gekommen. Es scheint mir in seiner Kürze, auch was die Biografien angeht, ganz vortrefflich zu sein und kostet wunderschönen gebunden nur 6 M.

Hanslick wird Dir seinen Artikel jetzt selbst geschickt haben. Das mit Joachim-Herzogenberg mag Dir hinterher eingeleuchtet haben - in Deinem betreffenden Brief sagst Du nur: "Aber, lieber Johannes, wie konntest Du nur so etwas tun!" usw.

Die nachherige Erleuchtung aber genügt mir, und Joachim hat ja jetzt recht Freude an dem Stück gehabt.

Zu Weihnacht wünsche ich schon jetzt das Allerbeste und Schönste und grüße dann wie heute und wie immer auf das herzlichste!

Dein

Johannes.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Wien ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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