15.07.2019

Briefe



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ID: 22886 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 24.12.1890
 

Wien, den 24. Dezember 1890.

Liebe Clara,

was kann ich denn am 24. früh Gescheiteres tun, als mich in Gedanken zu Euch an den Frühstückstisch setzen, ein wenig plaudern und zuhorchen (jetzt muß ich freilich phantasieren), was Ihr alles Hübsches und Freundliches vorbereitet. Hier nebenan in meinem Bücherzimmer steht auch ein großer schöner Baum, der dort den beiden allerliebsten Buben bis zum Abend verheimlicht wird.

Ein Weihnachtswetter haben wir, wie man's nicht schöner wünschen kann. Alle Bäume und Sträucher voll Reif und Schnee, daß es eine Wollust ist, bei dem milden Wetter spazieren zu gehen. Auch in Pest, wo ich vorige Woche war, traf ich es so schön. Frau Floch-Schmitt sprach mich in der Probe sehr herzlich an, und wir beide sprachen dann noch besser von Dir.

Ich habe übrigens schon gestern einen kleinen zierlichen Weihnacht gekriegt, den ich neben Deinen Schatz im Wiener Rathaus legen könnte!

Eine Komposition und Handschrift Grillparzers: Das Lied von Heine "Du schönes Fischermädchen".

Frl. Barbi hat hierher gemeldet, daß Du sie durch Deine Güte und Freundlichkeit sehr glücklich gemacht hast.

Ich aber störe jetzt nicht länger, Du wirst genug zu besehen haben - und etwa neue Büsten aufzustellen!?

Vergnügteste Festtage wünsche ich für das ganze Jahr und grüße alle von Herzen.

Dein

Johannes.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Wien ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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