15.07.2019

Briefe



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ID: 22887 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 31.01.1891
 

Wien, den 31. Januar 1891.

Liebe Clara,

das philharmonische Konzert (das nächste) ist den 22. Februar. In diesem sollte, wie mir Richter sagte, Herr B. mein D Moll-Konzert spielen. Vielleicht ist, seit ich R. gesprochen, das Programm wieder zweifelhaft geworden - jedenfalls kann Herr B. noch einige Zeit ruhig auf Bescheid warten. Falls ich Richter sehen sollte, werde ich ihn fragen, und auch bitten, Herrn B. ein Wort zu schreiben.

Warum habt Ihr aber den Spieß nicht umgedreht, und statt Euch den Weihnachtsabend verderben zu lassen, ihn gar zweimal gefeiert!

Der Baum hätte bei Euch doch am 25. so hell und vergnügt leuchten können, wie nur am richtigen Christabend!? Mein armes Quintett tut mir leid. Mit dem Warten wächst Dein Verlangen, und wie erst wachsen Deine Ansprüche. Darauf ist das Stück aber ganz und gar nicht eingerichtet. Ich bitte Dich, drehe zurück, ich habe Dir ja immer gesagt, das erste Quintett ist ein recht hübsches Stück - erwarte nur nicht mehr und nicht so Hübsches.

Du brauchst mich aber nicht zu erinnern, daß ich mich Deiner erinnere! 2 Vierhändige rücken bei Euch ein, sobald Simrock nur irgend fertig ist (daß der erste Satz nicht rasch geht, können euch die 16tel-Triolen lehren).- Man muß übrigens oft genug von "unmöglich herauszubringenden Stellen" hören, und die ärgerliche Antwort liegt so nah, daß das richtige Tempo sie wohl möglich macht.

Daß ich's nicht vergesse: magst Du Heermann gelegentlich sagen, daß das Quintett bestellt werden kann und allernächstens erscheint. Ich habe versäumt, ihm zu antworten. Für den 15. März bin ich nach Meiningen eingeladen und habe so beiläufig zugesagt. An dem Tage wird dort eine Tragödie von Widmann aufgeführt. Falls ich hingehe, komme ich auch nach Fr.

Ich scheue nur das Ausfahren, weil gar so viel dann sich dazu drängt, so jetzt namentlich Hamburg. Eigentlich wollen Widmann (Hegar) und ich im Frühling nach Sizilien! Für Herrn Borwick werde ich Dein freundlichster Dienstmann sein; Du brauchst keine Sorge zu haben, alles, was ihm gut und dienlich, soll er sehen und kennen lernen. Dir und Deinem Haus wünsche ich das Allerbeste und grüße von Herzen.

Dein

Joh.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Wien ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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