15.07.2019

Briefe



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ID: 22904 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 02.10.1891
 

Wien, den 2. Oktober 1891.

Liebe Clara,

ich bitte Dich recht herzlich, lasse ja die Kadenzen ohne weiteres mit Deinem Namen in die Welt gehen.
Auch das kleinste J. B. würde nur sonderbar aussehen; es ist wirklich nicht der Mühe wert, und ich könnte Dir manches neuere Werk zeigen, an dem mehr von mir ist als eine ganze Kadenz! Zudem aber müßte ich denn von Rechts wegen zu meinen besten Melodien schreiben: Eigentum von Cl.Sch.!- Denn wenn ich an mich denke, kann mir doch nichts Gescheites oder gar Schönes einfallen! Dir verdanke ich mehr Melodien, als Du mir Passagen und derlei nehmen kannst.

Und dabei muß ich wieder denken, wie schade es doch ist, daß ich nicht hoffen kann, Du mögest Deine neuesten Adagios in Meiningen anhören! Ich glaube wirklich, Trio und Quintett würden Dir Dein sonstiges Vergnügen in M. nicht stören, und Dir die Sachen bloß am Klavier vorspielen, möchte ein zweifelhafter Genuß sein.

Wegen der Kadenzen aber beruhigst Du Dich doch gewiß und leicht? Mit herzlichen Grüßen an Dich und die Deinen

Johannes.

(Seit gestern in Wien!)


  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Wien ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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