15.07.2019

Briefe



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ID: 22907 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 22.12.1891
 

Wien, den 22. Dezember 1891.

Liebe Clara,

die kommenden Festtage wollen mir erscheinen, die allgemeine Audienzen höchster Herrschaften, zu denen sich auch hinzudrängen darf, wer sonst an seiner Berechtigung dazu zweifeln möchte. So laß denn auch mit vielen andern Dir sagen, daß ich gerade diesmal gar viel Deiner gedenken werden und vor allem wünschen, daß Dir diese Tage durch völlige Wiedergenesung auch wirklich zu Festtagen werden.

Auch in den letztvergangenen Wochen habe ich an niemanden so viel gedacht als an Dich. Weshalb, werden Dir hoffentlich andre geschrieben haben.

Ich konnte es nicht gut, und auch Du wirst nicht in der Stimmung gewesen sein, Dir von mir darüber vorplaudern zu lassen. Deiner Teilnahme und Sympathie für meine Musik glaube ich allerdings sicher sein zu dürfen. Aber man kann und soll auch nicht den Künstler vom Menschen trennen. In mir ist nun einmal der Künstler nicht so empfindlich und nicht so anspruchsvoll als der Mensch, und dieser kann es nicht als Trost empfinden, wenn man jenes Arbeiten nicht entgelten läßt, was er sündigt. Heute aber denke ich erst recht nicht an mich oder gar an meine Musik, sondern nur mit innigem Wunsche, daß es Dir gut und immer besser gehen möge.

Noch möchte ich Dir mitteilen, daß ich in Hamburg meine Schwester besuchte, die sehr schwer erkrankt seit Monaten liegt. Ich denke wohl im Lauf des Winters noch einmal hinzukommen.

Wie immer Dein

Dir ganz ergebener

J.B.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
  Absendeort: [Wien ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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