15.07.2019

Briefe



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ID: 22911 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 23.06.1892
 

Ischl, den 23. Juni 1892.

Liebe Clara,

es ist doch merkwürdig angenehm, den womöglich schönen und bekannten Ort zu wissen, wo man sich jemand zu denken hat, dessen man gern gedenkt. Es war mir eine helle Freude, als ich in Deinem Briefe "Interlaken" las und sofort, aber mit glänzenderem Gesicht, wie in I. selbst war und Dich vor mir sah.

Von den 600 m habe ich freilich dort im Sommer nichts gemerkt und glaube, daß Dich im Gegenteil die arge Hitze dort bald genug vertreiben und einen der vielen nahen und schönen Höhepunkte aufsuchen lassen wird. Wie gut, daß Marie wenigstens sich tüchtig hält und bei Dir bleiben kann. Ihr wie Dir danke ich der freundlichen Teilnahme. Der letzte unserer Familie Brahms bin ich dann. Doch zu meiner großen Freude lebt meine Stiefmutter noch, und zwar im schönsten friedlichen Glück mit ihrem Sohne, einem Uhrmacher, zusammen im Holsteinischen, Pinneberg, nahe bei Hamburg, so daß ich sie, wenn ich dort hinkomme, auch in ihrem traulichen Heim sehe. Ich halte Umschau über die nächsten Höhen, Abendberg, Beatenberg, Brüning - meinen Lieblingsberg. Mürren wird die Wahl nicht treffen. Jetzt fährt gerade eine Eisenbahn hinauf - aber Du wirst die Fahrt nicht einmal riskieren. Jedenfalls wünsche ich, daß die betreffende Höhe sich anständig und höchst liebenswürdig gegen Dich benimmt, so daß Du sie glücklich und gekräftigt wieder verläßt. Mit vielen Grüßen, auch an Frl. Marie,

Dein

Johannes.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Ischl ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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