15.07.2019

Briefe



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ID: 22916 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 20.11.1892
 

[NB: Zeichnung einer Fliege am linken, oberen Rand.]

Wien, 20. November 1892.

Fliegen sind lästig, auch wenn sie hübsch sind, und so deutet die obige zart an, daß ich Dir lästig fallen will.

Ich hatte nämlich gedacht, es Dir ersparen zu sollen, Handschriften aus der Hand zu geben, und jetzt gleich bei Empfang der Variationen merke ich, daß es nicht gut geht und gar zu viel Unbequemlichkeiten im Gefolge hätte. Gleich der erste Tag der Variationen heißt so:

[Notenbeispiel]

Da müßte ich also fragen, steht kein p (piano) dabei? Steht das d in der rechten Hand? (Im 2. Takt bei der Wiederholung steht es nicht.) Hat die rechte Hand keinen Bogen? Wie gleichfalls bei der Wiederholung? Dann heißt der letzte Takt in der Abschrift

[Notenbeispiel]

Steht die Viertelpause bei Schumann oder ist sie vom Kopisten zugesetzt? Auch bei einem längeren Stück korrespondiert der letzte mit dem ersten Takt und wäre die Viertelpause (des Auftrags wegen) unnötig. Das ist nun der erste und letzte Takt! Danach magst Du denken, wie viel im Verlauf zu fragen wäre, ohne daß man Philister wäre (wie hier!).

Für die Variationen möchte ich also jedenfalls bitten, daß Du mir die Handschrift anvertraust und womöglich, bis der Stich fertig ist; ich hätte sie gern gleich, damit ich einstweilen recht genau korrigiere, ehe ich sie an Härtels schicke. Sehr lieb wäre es mir, wenn Du das Liederheft beilegen möchtest. Die Lieder habe ich zwar selbst abgeschrieben, aber da allerlei kitzliche Noten darin sind, möchte man so gern noch einmal die Handschrift recht scharf beäugeln. Diese würde ich Dir gleich wieder zurückschicken, die Variationen dagegen gern bis zur Korrektur behalten. Vor der Post wirst Du doch keine Angst haben? Es wird Dir wie mir noch niemals etwas derartiges weggekommen sein. Ich aber habe recht viel Sachen von ähnlichem Wert, und so hast Du auch bei mir keine Sorge nötig!?

Verzeihe aber, daß Du jetzt zweimal die Mühe hast - ich hatte eben gehofft - gegen besseres Wissen. Deine Karte kam heute früh - ich denke und hoffe, es soll alles Dir zu Wunsch geraten. Von Herzen grüßend

Dein Joh.


  Absender: Brahms, Johannes (246)
Absendeort: [Wien ?]
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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