19.12.2019

Briefe



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ID: 23009 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 01.06.1894 bis: 30.06.1894
 

Ischl, Juni 1894.

Liebe Clara,

für Deinen Geburtstagsgruß darf ich nicht mehr versuchen, danken zu wollen, und so verzeihe (mit allen andern), daß es nicht geschehen.

Aber einen Gruß aus meinem lieben Ischl möchte ich Dir doch endlich sagen und dazu melden, daß ich jeden Tag die Korrektur der 49 (!) Lieder erwarte. Es ist wohl das erste Mal, daß ich mich auf eine Korrektur freue, auch auf die Herausgabe einer Arbeit von mir und darauf - wenn sie Dir wieder zukommt und Du hoffentlich recht viele Kreuze und Doppelkreuze hineinzeichnest!

Aber darf ich Dir denn den dicken Stoß nach Interlaken schicken? Denn so lange wird's immerhin noch währen. Zu meinem ganz besondern Erstaunen hörte ich von Frau Franz, Du wolltest Deine Mägde und alles mitnehmen und dort eigenen Haushalt führen!?

Überhaupt in der Schweiz, aber besonders in I. kann ich mir das gar nicht recht möglich denken.

Vor allem wegen der gar zu deutlich ausgesprochenen Abneigung... der Schweizer gegenüber den Fremden. Du solltest einmal sehen, wie hier die Leute aber alle, ganz Unbeteiligte, sich freuen und bedanken, daß es einem bei ihnen gefällt!

Doch, entweder ist es überhaupt gar nicht wahr, oder ihr habt euch die Geschichte genauer besehen und gründlicher bedacht, als ich Ursache dazu hatte. Jedenfalls wünsche ich, daß es Dir recht wohl und behaglich dort sein möge - etwa wie mir hier in Ischl!

Jetzt einmal unterbrochen füge ich nur meine herzlichsten Grüße hinzu - für Interlaken die besten Wünsche!

Ganz Dein

Johannes.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
  Absendeort: o. O.
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



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