15.07.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 23017 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 17.11.1894
 

Schloß Altenstein, den 17. November 1894.

Liebe Clara,

hier vergeht ein Tag nach dem andern so leicht und schön, daß man schwer zum Abfahren kommt. Dazu geht die Frankfurter Schlemmerei so fort! Jeden Tag Champagner und was sonst für Herrlichkeiten. Wie liebenswürdig aber die Herrschaften sind, ist schwer zu sagen - aber leicht und schön zu genießen.

Für unsre Ankunft hier war der liebe Kapellmeister auch geladen. Gestern und morgen wieder der junge Wüllner, der außerdem, daß er ein vortrefflicher Schauspieler ist, noch ausgezeichnet Violine spielt und ebensogut singt.

Meine Volkslieder wirst Du nicht so gut singen hören, als er sie singt, denn umsonst ist er nicht schließlich auch noch ein guter Philologe!

Ich wünschte (und die Herrschaften auch), Du mögest hier an meinem Fenster sitzen, auf meinen Balkon hinausgehen können und dann hinaus in den herrlichen Park und Wald. Die schönsten Fasane, Hirsche und Rehe dutzendweis spazieren mit, dazu das köstliche milde Wetter und die freundliche Gesellschaft - Dir würde sehr wohl sein.

Ich denke nun, am Dienstagmorgen mir in Meiningen noch ein paar Bachsche Orchesterkonzerte vorspielen zu lassen, ein Klarinettkonzert von Weber oder was es sonst Schönes und Rares gibt.

Am Donnerstag denke ich in Wien zu sein, und da werde ich dankbar zurückdenken - vor allem und am herzlichsten an Euch und die schönen Tage bei Euch!

Auf fröhliches Wiedersehen im Februar hofft und freut sich Dein

herzlich grüßender Johannes.

  Absender: Brahms, Johannes (246)
  Absendeort: Schloß Altenstein
  Empfänger: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Empfangsort:
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.