19.12.2019

Briefe



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ID: 2313 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 21.10.1842
 

Lieber David,

Mit dem herzlichsten Bedauern des Grundes, der Sie gestern vom Spielen abhielt, unsern Wunsch, daß es sich schon heute gebessert haben möge. Beifolgend eine Symphonie von Hm. v. Roda, die schon seit acht Tagen bei mir liegt, da ich sie genau durchgehen wollte. Nun hab' ich aber doch nur durchblättern können und mag nicht vollständig darüber urtheilen. Interessant scheint sie mehr [sic!] sehr, aber übervoll in der Instrumentirung, jedenfalls aber eine Probe werth. Hr. v. Roda bittet mich um eine Empfehlung für sie an Sie. Lesen Sie nun selbst und schreiben dann an R. selbst ein Wort. Gedenken Sie denn auch nicht meine 1ste Symphonie [op. 38] bald einmal zu bringen? Es wurde mir im vorigen Winter gesagt, Sie hätten geäußert: ich hätte bei der Direction darum nicht nachgesucht. Dies kann ich aber nicht glauben. Wir hatten im Som_er zuvor schon darüber gesprochen, Sie von der baldigen Aufführung, und ich, wie es mich freuen würde. Ich hielt es für abgemacht, verreiste zu Anfang des Winters - die Symphonie kam aber nicht. Es kränkte mich. Warum soll ich das nicht sagen? Muß doch jedem Künstler daran liegen sein Werk, das ihm so viel Freud und Leid gemacht, nun auch auf die Masse wirken zu sehen. Dies wißen Sie nun a11es selbst - und so nehmen Sie sich, wie der Quartette, so auch der Symphonie freundlich an - und glauben Sie, spielte ein Orchester, wie etwa Ihr Quartett neulich, die Wirkung wird nicht ausbleiben. Das müßte eine Lust sein. Ihr Violinconcert spielen Sie nun hoffentlich das nächste mal; es ist viel Schönes und Effectvolles darin, die Cadenz namentlich und der letzte Satz. Doch man muß öter hören.
Was ist denn das für ein Effect im letzten Satz? Ein pizzicato? Schreiben Sie mir's gelegentlich auf, wenn Sie wieder an Musik denken.
Auf baldiges frohes Wiedersehen und mit
Grüßen meiner Frau
Ihr
R. Schumann.

Herrn Concertmeister F. David Wohlgeboren mit einem Paquet Musicalien.

[BV-A, Nr. 895, dat. 21. Oktober 1842:] David hier. [Bemerkung:] Mit d. Symphonie v. Roda (Part. u. Stimmen). Wegen m. Symphonie

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: [Leipzig]
  Empfänger: David, Ferdinand (339)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
254f.
 



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