15.07.2019

Briefe



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ID: 23162 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 22.12.1876
 

Berlin, den 22. Dezember 1876

Liebster Johannes,

da wäre ja nun wieder das Weihnachtsfest da - so eine leise Hoffnung hatten wir ja, daß Du vielleicht kämest, doch, kaum nach Wien zurückgekehrt, entschlössest Du Dich wohl gar zu schwer, und hierher ist's ja auch nicht sehr verlockend! - So muß ich denn mit meinen Gedanken zu Dir hinschweifen, was freilich überhaupt ganz besonders oft jetzt geschieht. och hörte ich nichts von Dir über die Symphonie am 17., und heute als ganz bestimmt von Düsseldorf, daß nun entschieden Tausch nicht zum M. D. gewählt sei etc. - Ich sende Dir einen der Briefe (zwei erhielt ich), in diesem steht noch nicht deine definitive Anstellung, aber in dem andern. Ich bin nun wieder ganz unruhig, aber will Dir die freundlich klingenden Worte senden - vielleicht haben wir doch der Tausch-Partei zu viel Gewicht beigemessen?

Über dieser Angelegenheit (wenn Du doch noch annimmst, nur ja recht vorsichtig, alles schwarz auf weiß - verzeihe die weibliche Ängstlichkeit) vergesse ich beinah die Hauptsache, den innigen Weihnachtsgruß, den ich Dir ja senden wollte.

Du wirst gewiß den Abend bei Billroth zubringen, so denke ich mir wenigstens, oder gar zu Haus mit einigen Flaschen Champagner?

Bei uns wird es still werden, sind ja so wenige, und ein Freundenfest ist's für mich doch nicht, die Wehmut um den Fehlenden ist doch zu überwiegend, und nehme ich mich auch zusammen, im Innern sieht's doch trübe genug aus. Ich warte sehr Deiner Nachrichten.

Von Breslau muß ich Dir noch erzählen, daß ich große Freude an der Asdur-Serenade gehabt, so hatte ich sie noch nie gehört, und habe sie in vollen Zügen genossen, wobei nicht wenig herzliche Gedanken dem Spender der Wonnen zuflogen.

Jetzt bleibe ich nun endlich einige Zeit ruhig hier, viel wird's freilich auch nicht, da ich im Februar schon wieder fort muß.

So nimm denn die wärmsten Wünsche für das Fest und zum neuen Jahr - was es Dir wohl bringen mag? Möge es nur Gutes sein.

In treuer Liebe

Deine Clara.

Die Kinder fügen das Herzlichste bei.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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