19.12.2019

Briefe



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ID: 2320 Brieftext


Geschrieben am: Montag 14.01.1850
 

Dresden, den 14ten Januar 1850.

Lieber David!

Dein Brief traf mich noch in der Mitternachtstunde vorgestern Abend, als wir von einer kleinen Peri-Nachfeier à la Hôtel de Bavière zu [sic] Hause kamen, und beschloß den Tag auf das Freundlichste. Was Du am Ende Deines Briefes in einem Anflug von leiser Melancholie erwähnst, empfinde ich oft. Ich war Dir immer aufrichtig zugethan, Deine Kunst hat mich stets mit der größsten [sic] Hochachtung für Dich erfüllt. Und so wird es immer bleiben, hoffe ich. Unser Kommen nach Leipzig hängt nun genau mit dem Anfange der Proben zu meiner Oper zusammen. Wirsing hat mich, wie ich Dir schrieb, zum 1sten Februar nach L. berufen. Aber ich weiß, daß man in Theaterangelegenheiten gewöhnlich um 8 bis 14 Tage zu früh datirt. Du könntest mir nun den Gefallen thun, bei Rietz, der es doch am besten wißen muß, nachzufragen, ob er glaubt, daß bis zum 1sten Februar die Conrad’sche Oper in Scene geht. Ist dies der Fall, so wären wir zum Pensionsfondconcert am 11ten jedenfalls in Leipzig, und ich habe dazu ein paar Vorschläge, von denen nachher. Kann es Dir auch Rietz nicht berichten, so sprich vielleicht mit Hrn. Wirsing selbst; mit einem Worte nimm Dich der Sache an, sodaß wir Anfang Februar mit der Oper jedenfalls anfangen können. Die Aufführung, und daß sie sobald als möglich geschehe, ist gerade im Augenblick für mich von Wichtigkeit – und ich will Dir mündlich sagen, warum – da das Schreiben zu weitläufig dazu ist. Im Pensionsconcert würde dann meine Frau jedenfalls spielen (am liebsten das Es-durconcert von Beethoven), und auch ich hätte etwas, was das Publicum vielleicht interessiren würde. Du hast vielleicht davon gehört, ein Concertstück für vier Hörner mit großem Orchester. Ich habe das Stück mit großer Passion gemacht, und es hat mir auch gut gefallen, wie mir es die vier Capellhornisten vorgeblasen. Die Leipziger Hornisten kenne ich nun zu wenig um zu beurtheilen, ob sie den Schwierigkeiten gewachsen sind, die übrigens nur in der manchmal hohen Lage des 1sten Hornes liegen – und hier könnte ja auch dieser oder jener Gang leicht geändert werden. Levy hier hat alles auf das Leichteste und Schönste herausgebracht; also muß es keine Hexerei sein. Gefällt Dir nun mein Vorschlag, so sprich mit Deinen Hornisten, die die ausgeschriebenen Stimmen bereits haben, daß sie das Stück baldmöglichst zu studiren anfangen, um bis zum 11ten damit fertig zu sein. Dann sende ich Dir, sobald Du es wünschest, Partitur und Clavierauszug, um es mit ihnen vielleicht einmal am Clavier durchzugehen. Wie ich voraussah, so war die 2te Aufführung der Peri (ohne Probe) keine sonderliche. Eine neue Erfahrung für mich, so etwas nicht wieder zu unternehmen. Im Uebrigen war es etwas für hier Unerhörtes, zwei Aufführungen eines so großen Stückes binnen acht Tagen zu Stande zu bringen. Hier sind ganz andere Verhältniße, als bei Euch; es hängt alles an hundert Zöpfen. Dazu der Prophet, der alle Köpfe verrückt. Zulezt [sic] gab nur das Wort des Königs den Ausschlag.
Genug für heute. Möchte es mir vergönnt sein, Dich recht bald zu sehen. Ueber vieles die Oper betreffende und manches andere noch möchte ich Deinen Rath.

Herzlich grüßend
Dein
R. S.

[BV-A, Nr. 1607:] F. David Leipzig [Bemerkung:] Möchte alles thun, daß die Oper Anfang Febr. daran käme – dann würden wir auch zum 11ten im Concert mitwirken. Wegen des Hornconcertes.

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: David, Ferdinand (339)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
309-312
 



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