19.12.2019

Briefe



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ID: 23231 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 17.10.1878
 

Frankfurt, den 17. Oktober 1878.

Liebster Johannes,

ich sende Dir heute die bewusste Gavotte, nach der Du neulich frugst - ich bekomme sie doch wohl wieder? Auf Deinen lieben Brief schreibe ich, wenn ich von Leipzig zurückgekehrt. -

Da bist Du ja dann auch wieder in Wien. Ich bin jetzt auf eine Weise in Anspruch genommen, die ganz schrecklich ist, es kommen immer noch so viele Anfragen wegen der Schule, dann Privatschüler etc. etc. Wie viel denke ich immer an Deinen freundschaftlichen Vorschlag, aber das "Ja" und mein Gewissen, wie verträgt sich das? Soll ich auf meine alten Tage leichtsinnig werden? Bald Weiteres.

Es ist viel Geheimnisvolles jetzt um mich - eines weiß ich nun, daß ich hier im Konservatorium gefeiert werden soll - könnte ich mich - ohne unfreundlich zu erscheinen, was meinem dankbaren Gemüt doch fremd wäre, verkriechen! Ich habe solch ein Schamgefühl, schauderhaft.Mit Felix geht es so fort - wenn ich von Leipzig zurückkehre, wird er wohl zu uns kommen.

Ich habe jetzt nur den einen Wunsch, ihm noch so viel Liebe als möglich zu zeigen, das kann er ja noch empfinden, und tut ihm wohl.

Adieu für heute, bis nächstens.

Herzlichst

Deine

Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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