15.07.2019

Briefe



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ID: 23252 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 22.02.1880
 

Basel, den 22. Februar 1880.

Lieber Johannes,

....es ist mir leid, abermals Deinen Unwillen erregt zu haben. Du könntest dies wohl auf Rechnung meiner Gewissenhaftigkeit setzen und etwas mehr Geduld mit mir haben. - Ich werde Dich eben doch öfter noch mit Fragen und Bedenken zu belästigen haben, was ich doch nicht vermeiden kann, da ich es ohne Deine Hilfe ja nie hätte können unternehmen. Übrigend muss ich Dir aber doch noch sagen, daß Du mir bezüglich der Trios, Quartette und des Quintetts Unrecht getan. Ich schrieb ganz an Härtels, wie Du mir gesagt hattest, worauf sie antworteten, sie seien sehr erstaunt, von mir zu hören, daß die Sachen so korrekt seien, daß man sie ohne Revision in Neustich erscheinen lassen könne. - Dies erschreckte mich und ich teilte ihnen mit, daß sie mich falsch verstanden hätten, ich habe nur gemeint, daß sie den ersten Abzug der Korrektur getrost könnten machen lassen. - Darauf schickten sie mir unbegreiflicherweise alles zu, was aber auch bereits alles schon längst zurückgegangen ist, ohne Durchsicht meinerseits.

Rudorff kann leider nicht mitarbeiten, da er am Mozart noch viel zu tun habe, so wird es denn bei Bargiel, Franck und Volkland bleiben.

Nun zu der Bonner Angelegenheit: Wasielewski hat sich erlaubt, Dich "auf meinen Wunsch" zum Spiel aufzufordern. Ich weiß nichts davon, und würde es nie gewagt haben, Dich darum zu bitten, ohne zugleich um Deine Direktion irgendeines größeren Werkes zu bitten. Dies teilte ich auch dem Komitee mit. Daß es mich nur freuen kann, wenn Du spielst, und daß ich gerade bei dieser Gelegenheit nur Dich am Klavier sehen möchte, versteht sich von selbst. - Die Herren baten mich allerdings darum zu spielen, doch spricht mein Gefühl dagegen, bei dieser Gelegenheit mitzuwirken. - Es läßt sich freilich die Sache von verschiedenen Seiten ansehen. Schreibe mir doch, ob Du mein Gefühl gerechtfertigt findest. - Ich bin mir nicht recht klar darüber.

Mit der Phantasie bin ich sehr einverstanden, weniger mit dem Duo, da dasselbe bei der Schumannfeier vorkam.

So muß ich mich denn wohl mit den Erzählungen über Deine Reisen gedulden bis zum April, wo wir uns hoffentlich sehen.

N.B. Bin ich Dir nicht noch 50 fl. oder 50 Mark schuldig, die Du mir diesen Sommer geliehen? Ich kann mich nicht besinnen, es Dir zurückgegeben zu haben, und fand es in meinem Notizbuch. Antworte mir ja darauf.

Leb' wohl, und sei herzlich gegrüßt

von

Deiner Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Basel
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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