15.07.2019

Briefe



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ID: 23276 Brieftext


Geschrieben am: Montag 17.04.1882
 

Frankfurt a./M., den 17. April 1882.

Lieber Johannes,

Deinen Brief erhielt ich doch in England, und zwar nicht geöffnet, wie Du anzunehmen scheinst. Briefe von mir nahestehenden Personen lasse ich nie von anderen öffnen. Also danke ich fürerst für den Brief und teile Dir mit, daß ich vor einigen Tagen glücklich wieder hier angelangt bin. Die Aufnahme, die ich in England gefunden, war herzlicher und enthusiastischer denn je, und alles sonst nach Wunsch. Jetzt komme ich nun hier wieder ins alte Gleis.

Friedchen schrieb mir von Hamburg über das Konzert und Deinen Besuch, der sie so herzlich gefreut hat. Sie bedauert aber auch, daß der Cäcilienverein nicht gesungen habe.

Die Nänie habe ich nun doch noch nicht gehört, und sehne mich danach. Hier gibt es jetzt viel Wagnerei - Rheingold, Walküre. Einmal werde ich mir es wohl auch antun müssen, schon Dessoffs halber. Raff fand ich recht verändert, er sieht sehr schlecht aus, und habe ich doch rechte Sorge und Mitleid für ihn. Denn es scheint, man rückt ihm jetzt hart zu Leibe hier. Ich höre so manches, woraus ich schließe, natürlich schweige ich aber.

Sommerpläne haben wir noch keine gemacht, ich muß nun ja bis Juli ruhig hierbleiben, den Juni die Stunden nachholen, da habe ich denn noch Zeit, zu überlegen. Italien für September und Oktober liegt mir aber ernstlich im Sinn. Du wirft Dich nun wohl bald ins Grüne zurückziehen?

Viel habe ich hier vorgefunden und vieles zu beantworten auch allerlei kleine Aventuren mit Schülerinnen sind vorgekommen, doch nicht schlimmer Art.

Leb' wohl! Laß bald wieder hören von Dir

Deine alte

Clara.

Die Kinder grüßen.

Bitte, laß mich wissen, wann Du Wien etwa verläßt.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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