15.07.2019

Briefe



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ID: 23345 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 14.11.1888
 

Frankfurt a. M., den 14. November 1888.

Lieber Johannes,

ich bin wohl manchmal ein Glückskind, aber auch öfter ein Pechvogel. Denke Dir, als ich Deine Sonate erhielt, fühlte ich schon Schmerzen im Arm, aber ich machte mich doch gleich daran, und schwelgte auch sofort in dem ersten Satze.

Darnach aber wurden die Schmerzen so heftig, daß ich aufhören mußte, und nun, seit zwei Tagen, an der heftigsten Neuralgie leide, nichts tun kann und furchtbare Schmerzen ausstehe; ich hoffe, daß sich das Leiden bald wieder geben wird, aber acht bis vierzehn Tage können doch vergehen, ehe ich imstande bin, meine Hand zu gebrauchen. Ich habe den 2., 3. und 4. Satz nur gelesen, bin aber schon entzückt davon.

Ich schreibe Dir dies, damit Du Dich nicht wunderst, wenn ich schweige, notwendigerweise es unbegreiflich finden mußtest.
Ich bin durch die Schmerzen so angegriffen, daß ich mich ganz elend fühle; sobald es wieder besser geht, schreibe ich Dir. Ich hoffe, es kommt Dir nicht darauf an, mir die Sonate jetzt zu lassen, komme ich nicht so weit, sie selbst zu spielen, so lasse ich sie mir von Elise und Koning vorspielen, das ist das einfachste, um daß es kein Geschrei hier gibt von den Habichten, die nach jeder neuen Note gleich die Hand ausstrecken.

So nimm denn einstweilen heute Dank von

Deiner alten

Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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