15.07.2019

Briefe



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ID: 23347 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 04.12.1888
 

Frankfurt, den 4. Dezember 1888.

Lieber Johannes,

eben höre ich, daß Du zum 28. abgeschrieben habest, aber ich höre es aus dritter Hand, und nichts, ob die Soiree nicht verschoben wird? Hat man Dir keine Einladung zum Dirigieren Deiner C moll-Symphonie gesandt? Diese steht doch auf dem Repertoire für diesen Winter!? - Es ist so eine Schwüle, [?] man weiß nichts Ordentliches und kann nichts erfahren, weil die Leute mit großen Ausführungen für einen Wohltätigkeitszweck ganz hingenommen sind, wofür sie schon seit Wochen alle Tage Proben haben etc. etc. Bitte, sage mir nur ein paar Worte, wie es steht, aber recht klar, lieber Johannes, damit man doch weiß, worauf man sich freuen darf.

Leider (verzeihe das Tinten-Malheur) habe ich meiner Schmerzen halber in Berlin abschreiben müssen, und wird das Konzert wahrscheinlich auf Januar verschoben - da liegt mir nun auch viel daran, zu wissen, wann Du hierher kommst? - Gott sei Dank bin ich so weit, daß ich doch etwas wieder spielen kann! Ich habe diese Tage glückliche halbe Stunden (mehr kann ich noch nicht) in Deiner wundervollen Sonate verlebt, und will sie Ende der Woche einigen Musikern hier bei mir vorspielen. Heute hatte ich Probe mit Koning, und wir haben geschwärmt, aber schwer ist sie, besonders sehr ermüdend für mich der letzte Satz, wo kein Zurückhalten möglich ist.

Wie macht mich so schöne Musik doch oft froh auf Stunden - ein rechtes Glück, denn unser Leid ist recht groß! - Doch, leb' wohl, lieber Johannes! Sage bald ein erfreuendes Wort

Deiner alten

Clara.

Verzeihe die schreckliche Schrift - das Schreiben wird mir so schwer.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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