15.07.2019

Briefe



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ID: 23357 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 22.01.1890
 

Frankfurt a./M., den 22. Januar 1890.

Lieber Johannes,

ich habe Dir für Deinen letzten lieben Brief vor Weihnachten noch nicht gedankt, aber ich bin ja nun schon seit 4 Wochen krank an Influenza, und noch so matt, daß ich kaum auf Stunden das Bett verlassen kann. Nie habe ich solch einen Zustand erlebt, und sicher werde ich noch lange brauchen, mich zu erholen. Es war, abgesehen von meiner Krankheit, eine furchtbare Zeit, diese 4 Wochen. Erst Ende Dezember starb mir der älteste Freund Bendemann. Gott sei Dank hatte ich ihn und die Leser noch besucht und wunderbar frisch gefunden - dann starb eine sehr alte Freundin Frau Souchay, die mir besonders wohlgewollt, dann Frau Seligmann in Koblenz und vor 4 Tagen Frau von Guaita, die ich doch auch ein Vierteljahrhundert gekannt! - Ist es da zu verwundern, wenn man, sich elend fühlend, allen Lebensmut verliert! Doch vorklagen wollte ich Dir nicht, sondern vor allem danken für Deine Bemühungen wegen der Gipsbüste, die nun doch placiert ist, und wäre die Maske nicht so unangenehm, so wäre doch der Gesichtsausdruck schön.... Mit der Büste zusammen kam, denke Dir, Joachims riesige Büste von Donndorf, das war nun doch auch sehr gut gemeint. Aber sie erfreut einen doch nicht recht.
Man vermißt zu sehr den geistigen Ausdruck.

Daß es Borwick in Berlin außerordentlich ergangen ist, hast Du wohl gehört - die Zusammenwirkung mit Stockhausen hat ihm doch sehr genützt....

In Köln war ich, als ich Bendemanns besuchte. - Wüllner ließ mir die Sprüche in einer Probe vorsingen. Das Schreiben ermüdet mich zu sehr, ich muß Dir Lebewohl sagen. Gehe es Dir recht sehr gut im neuen Jahr. Bleibe gut

Deiner alten

Clara.

Die Kinder grüßen und wünschen Bestes!

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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