15.07.2019

Briefe



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ID: 23384 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 13.10.1892
 

Frankfurt a./M., den 13. Oktober 1892.

Lieber Johannes,

fürerst meinen Dank für die wunderbar originellen Klavierstücke, die ich nun alle genau kenne; ich muß nämlich ab und zu 'mal 1/4-Stunde dazu nehmen, wo mein Gedröhn etwas leiser ist, dann Ausweichungen, erst viele Male in höheren Oktaven probieren, bis ich den rechten Klang habe. Besonders entzückt bin ich über das A Moll-Intermezzo, dann die Intermezzos in E Moll, E Dur und das letzte, eigentlich alle, jedes in seiner Art. Die tief leidenschaftlichen wie die träumerischen, wo man dem Klavier so reizende Klangeffekte entlocken kann. Das in E Moll würde ich aber nie mit den kleinen Noten hören mögen, gerade die Lage der Hände ineinander hat so einen besonderen Reiz, klingt eben ganz anders! Man wiegt sich förmlich darin. Darf ich die Stücke noch etwas behalten? Dann, darf ich sie Joachim, der nächste Woche kommt, zeigen? Eventuell ihm einige vorspielen?

Nun noch einmal meine Bitte, daß Du mir deutlich sagst, was Dich mit der Herausgabe der Stücke aus dem Nachlaß Roberts beleidigt hat? Ich glaubte nämlich, sie seien gar nicht in der Gesamtausgabe erschienen, schrieb sofort an Härtels, er möge sie als Anhang sofort drucken lassen, worauf er mir zu meinem Erstaunen ein gedrucktes Exemplar davon schickt. Was soll ich nun denken? Ach, ich habe ja nie über diese Stücke mit Härtels korrespondiert, sondern durchgesehen, was er schickte, und nicht weiter nachgedacht. Bitte, kläre mich auf. Ich finde solche Ungewißheiten schrecklich. Habe ich gefehlt, so mußt Du es meinem Dusel anrechnen.

Für heute Lebewohl und herzlichen Gruß von

Deiner Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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