15.07.2019

Briefe



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ID: 23414 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 16.11.1894
 

Frankfurt, den 16. November 1894.

Lieber Johannes,

kurz nach Deiner Abreise am Mittwoch kam das Werk von Klinger und ich möchte nicht säumen, Dir nochmals für das schöne (nur zu kostbare) Geschenk zu danken. Wir haben uns schon ein paarmal darein vertieft, die gewaltige Phantasie, besonders in den Blättern des Schicksalsliedes, vieles einzelne der Ausführung bewundert. Nur will uns manches Realistische nicht behagen, das einem neben so Herrlichem doppelt auffällt. Du wirst wissen, was ich meine, und bald, denke ich, sprechen wir mündlich darüber.

An die Sonaten denke ich noch immer viel, und hoffe, sie bald studieren zu können, erst dann werde ich ganz vertraut damit werden.

Die liebe Frau Franz war gestern bei uns, es war uns eine herzliche Freude, sie zu sehen.

Ich hoffe, lieber Johannes, Du hast es nicht falsch gedeutet, wenn ich oft wohl trübe gestimmt war, es war aber meist infolge meines Kopfleidens, das mir die höchsten Genüsse, die ich hätte haben können, so grausam verkümmerte.

Leb' wohl! Es freut mich, sagen zu können "auf Wiedersehen"!

Mit Grüßen von Marie und den Meinen

Deine alte Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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