15.07.2019

Briefe



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ID: 23422 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 30.01.1896
 

Frankfurt a./M., den 30. Januar 1896.

Lieber Johannes,

hab' Dank für Deinen so freundschaftlich teilnehmenden Brief. Wie so recht hast Du in allem, was Du sagst, wie schwer ist es aber, Trost in dem zu finden, was vergangen, während doch eigentlich Hoffnung das ist, was wirklich Trost gibt, und solche ist ja dem Alter mehr und mehr verschlossen. Du wirst es aber natürlich gefunden haben, daß ich, gerade als Du in Berlin warest, und ich bei allem Leide doch so oft Deiner gedachte, ganz und gar schwieg. Meine Seele war gar zu sehr bedrückt, denken konnte ich wohl sehnsüchtig, aber schreiben nicht, was mich irgend bewegte.

Mit Louis geht es wohl nun etwas besser, es ist aber so wenig, daß es kaum zu bemerken ist. Er kann noch nicht sprechen, was ihm besonders peinlich ist, kann auch noch nicht zusammenhängend denken. Heute soll er zum ersten Male im Bett aufsitzen, wobei aber sein Kopf gehalten werden muß. Eine Beruhigung ist doch die Meinung der Ärzte, daß Louis ein durchaus gesunder Mann ist, und sie eine völlige Genesung sich vorauszusagen getrauen. -

Marie geht es besser, und sie ist wieder als lebendiger Schutzgeist um mich! Darüber bin ich so froh, wäre ich selbst nur wohler! Doch es sind eben nur kleine Leiden, wenn sie auch genug peinigen.

Sehr überrascht hat mich Deine Äußerung über Menzel. Ist er wirklich ein so großer Künstler? Ich kenne fast nichts von ihm. Hast Du einmal Muße, dann schreibe mir etwas von ihm.

Und nun sei herzlichst gegrüßt, auch von Marie. Wie immer

Deine alte

Clara.

Warst Du in Leipzig befriedigt?

Kennst Du in Wien einen Schriftsteller Prof. Rudolf Kühnel-Engelsberg ?

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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