19.12.2019

Briefe



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ID: 24310 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 20.09.1845
 

Lieber Mendelssohn,

An mir war's, Ihnen zu schreiben -- zu danken für die Liebe Ihres Besuchs, für manches Ihrer Worte. Aber es strengt mich alles Schreiben doch noch sehr an und drum verzeihen Sie! Etwas beßer geht mir's schon; Hofrath Carus hat mir FrühMorgen-Spaziergänge angerathen, die mir denn auch sehr gut bekommen; doch langt es überall noch nicht zu und es juckt[?] und jukt mich täglich an hundert verschiedenen Stellen. Ein geheimnißvolles Leiden -- wo es der Arzt anpacken will, scheint es zu entfliehen. Doch werden wohl auch beßere Zeiten wiederkommen, und blick' ich auf Frau und Kinder, so hab' ich ja Freude genug. Zum ersten Concert denkt nun meine Frau sicher in Leipzig zu sein und darin zu [spielen.] Wir haben uns aber für das Concert von Henselt entschieden, da wir später ein eignes einmal zu geben Lust haben, wo sie dann meines spielen wird. Sodann trägt mir meine Frau aber auf zu sagen, daß sie nur dies eine Stück spielen m[öchte.] Das Concert ist so schwer wie zwei [,(?)] sehr angreifend; kurz sie traut es sich nicht zu, <noch>mehr als das eine zu spielen. Wollen Sie so gut sein, dies der Direction zu sagen? -- Eine Vorprobe ist nun nicht nöthig und wir würden dann vor Freitag nicht in Leipzig sein. Ein Wort, wann die Probe ist, laßen Sie uns wohl noch wißen?--
Lieber Mendelssohn, als wir das letztemal Abschied nahmen, haben Sie mich gewiß für rappelköpfisch gehalten, als ich < >Ihnen noch ein so "gräuliches" Compliment machte, zumal Sie vorher das reizende Lied in E gespielt und Sie mein Compliment auf dieses beziehen mußten. Ich meinte aber damit und mit dem "Eichendorff" das in D Moll
$NOTEN
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wie aus einer alten Chronik schien mir's zu kommen, wenn die "Spielleut" zum Turnier blasen und die Ritter nicht erscheinen wollen und die Musiker nun ungeduldig werden pp pp. Sagen Sie mir, schieß' ich daneben, oder stand so etwas vor Ihrer Seele? Vor allem aber zürnen Sie mir nicht, daß ich so starke Farben wählte zu meinem Compliment; ich erschrak selbst, wie es heraus war. Für Ihre Bemühungen wegen des wohltemper[irten] Claviers danke ich Ihnen vielmals. Sollte die Ausgabe nicht vielleicht auf der Berliner Bibliothek sein, und müßte man sich deshalb an Dehn wenden, wozu ich freilich wenig Lust habe? —
Nun sein Sie mir herzlich gegrüßt -- bald schreibe ich Ihnen wieder -- überhaupt könnt[en ] wir es einander nicht von Zeit zu Zeit auch ohne hinreichenden Grund? Wäre unsere Freundschaft Wein, so wäre er jetzt schon ein guter Jahrgang (heute vor 10 <>Jahren -- Rosenthal) Vielleicht denken Sie wie ich und schreiben mir bald einmal wieder
Ihr ergebener
Robert Schumann
Von meiner Klara
die freundlichsten Grüße.


[BV-A, Nr. 1114, 20.9.1845:]
Freundschaftsbrief.

  Absender: Schumann, Robert (1455)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Mendelssohn Bartholdy, Felix (1040)
  Empfangsort: Leipzig
  SBE: II.1, S. 222f.
 



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