23.01.2024

Briefe



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ID: 26212
Geschrieben am: Mittwoch 11.12.1889
 

11.12.1889, London
Das Concert gestern verlief sehr gut, aber es war eine Angstpartie ich hörte die Mendelssohn Symphonie und da passirte so unendlich viel, daß ich mich nicht wundern konnte als sie meine Arie mit unerhörter Willkür begleitete, ich riß factisch das Tempo immer wieder an mich, ungehindert ob die einzelnen Instrumente mit wollten oder nicht. Es scheint daß am Concertabende die Diletannten mit machen dürfen, was in der Probe verboten ist, dies ist ein ganz reizendes Mittel um die Concerte amüsant zu machen. Ich kam mir vor wie ein verirrter Bergsteiger der über einen Gletscher muß und keinen Schritt seines Lebens sicher ist. In dem Applaus konnte man aber nichts von alledem merken
ich mußte zweimal auf's Podium zurück nach der Arie. Die Wild war wieder ganz Lobster in den Liedern, ich werde sie mir doch abgewöhnen müßen, sie hat glaube ich Größenwahn und wird allemal verrückt wenn sie auf's Podium kommt. Es Ist so merkwürdig daß sie immer vorauseilt und 1/4 Tact schluckt, was das Ganze schrecklich unrythmisch macht. Sie kommt übrigens gleich in den ersten Tagen zu Dir um Dir von mir zu berichten. Sie reist am 19t und bleibt bis Mitte Januar.
Daß Du wieder Rothlaufschild hast, ist mir fatal. D.h. missversteh mich nicht, ich finde nur Du nimmst es viel zu ernst und sollte es Dich wirklich nicht mehr so packen. Ich glaube fast auch, daß dies unheilbar ist.

  Absender: Fillunger, Marie (2260)
  Absendeort: London
  Empfänger: Schumann, Eugenie (1440)
  Empfangsort:

  Standort/Quelle:*) A-Wn, s. 980/5-6
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 

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