25.02.2022

Briefe



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ID: 26589
Geschrieben am: Freitag 28.01.1927
 

Interlaken, Matten 4.
28 Januar 1927
Mein liebes Minning!

Wie soll ich Ihnen danken, es ist so überaus freundlich und gütig daß Sie sich meiner so gründlich annehmen. Nun muß ich Sie aber bitten mir zu glauben daß ich wirklich eine Aufgabe zu lösen habe hier, denn eine fünfzigjährige Freundschaft löst man nicht auf wenn man nicht ein Schuft ist. Ich habe es mit einer Kranken zu tun die es zuweilen auch weiß und mir sagt es würde noch etwas schreckliches geschehen. Ich kann nur immer wieder ablenken und sie zerstreuen (besonders jetzt wo Sie mich dafür ausgerüstet haben).
Bei hellem Sonnenschein eine Fahrt im Schlitten oder im Wagen. — Ein Besuch in Bern oder Basel bei alten gemeinschaftlichen Freunden. Ein kleines Geschenk ins Haus … für die Schwestern. Solche Dinge erheitern sie und sie vergißt ihre Angst. Ich kämpfe seit vielen Jahren mit diesen bösen <unleserlich>, aber seit 1904, wo ich eine Stellung an einem College in Manchester annahm wurde das Übel viel schlimmer, weil ich eine <unleserlich> Stellung annahm und nicht mehr nur für sie leben konnte.
Nun geht Marie Sch<umann>, die 85 Jahre alt ist, ihrem Tode entgegen, wird täglich stiller und trauriger und Eugenie will es nicht zugeben und regt sie immer mehr und mehr auf.

  Absender: Fillunger, Marie (2260)
  Absendeort: Interlaken
  Empfänger: Minning (37099)
  Empfangsort:

  Standort/Quelle:*)
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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