25.02.2022

Briefe



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ID: 26591
Geschrieben am: Dienstag 09.03.1830
 

Dresden, den 9. März 1830

Liebstes Weibgen,
Am Sonntage um 5 Uhr sind wir richtig hier angelangt mit unserem fetten, speckigen und glänzenden – aber gutmütigen und gefälligen Kutscher. Eine Stunde vor Dresden kam uns die Mad. Kraegen mit einer Freundin entgegen, und Kraegen und Sohn waren als Kranke zu Hause geblieben. Vater Kraegen war tödlich krank gewesen, man hatte mir aber nichts geschrieben, um meine Reise nicht rückgängig zu machen. Jedoch heute geht es wieder, und sie sind gegangen. Klara hat sich vollkommen eingerichtet und befindet sich wohl. Sie schreibt Dir heute nicht, weil sie mehreres Neues einzustudieren hat um mit Reissiger und Kraegen a 4 m zu spielen. Vom Mozartschen Quartett habe ich sie aber los gemacht. Gestern Nachmittag waren wir bei Reissiger, wo sie sich im Spielen selbst übertroffen hat. Reissiger spielte nachher auch, meinte aber, vor Klara zu spielen müßte man ja ängstlich werden. Er gab ihr auch ein Thema auf, worüber sie phantasieren mußte; auch spielte er mit ihr vom Blatt; er erstaunte so über ihre musikalische Bildung, daß er meinte, man müßte es hören um zu glauben. Heute 12 Uhr machen wir Besuche bei Kaskel und Carus, morgen sind wir zu Simon zu Mittag gebeten und Klara bleibt den Nachmittag bei den Kindern, weil die keine Schule haben. Auf den Donnerstag Abend sind wir zur Frau von Zehmen, wo große Gesellschaft ist. Die anderen Einladungen werden nun morgen erst kommen. Bei Lengnick waren wir. Sie wollten eben spazieren gehen und wir begleiteten sie; auch da werden wir einmal seyn.
Unter 8 Tagen ist an Bischoffswerda gar nicht zu denken. Wir können auch hier nichts unternehmen bevor Klara nicht an mehreren Orten und vor großen Gesellschaften gespielt hat. Vor dem König wird es schwer halten, weil die Hintertreppe wackelig geworden, nämlich Frau von Lüttichau, durch die alles geht, ist nach einer Niederkunft tödlich krank und kann keinen Ton Musik hören, also Klara kann auch nicht vor ihr spielen. Macht es sich aber durch Reissiger und den großen Baudissin wo Klara auch spielen soll, so könnten die Vorbereitungen leicht 14 Tage bis 3 Wochen dauern und desswegen lege ich mich doch nicht so lange her. Übrigens werden die hiesigen Clarvierspielerinnen, welche schon neidisch sind, alles mögliche aufbieten, daß Clara nicht öffentlich gehört wird, denn so eine Spielerin, wie Klara, ist hier nicht, so sagt Kraegen und Reissiger. Nun bitte ich dich, dem Johann zu sagen, daß er Früh 8 Uhr zu Pohlenz gehe und ich ihn bitte, daß er doch gütigst der Demoiselle Stahl antworten möchte auf ihren Brief und fragen, ob sie etwas im letzten Concert spielen könne. Ihre Adresse ist (die hat sie vergessen anzuzeigen) Demoiselle Stahl Breite Gasse N. 48 in Dresden. Ich erwarte nun morgen von Dir einen Brief.
Heute schließe ich, aber nicht eher als bis ich 1000 Küsse an meinen Clemenz und an dich - - - -
Bis jetzt habe ich noch keine Nacht schlafen können, befinde mich aber doch leidlich.
Klara und Mad. Kraegen und ich grüßen.
Dein alter
Fritze Wieck

  Absender: Wieck, Friedrich (1709)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: Wieck, Clementine (1708)
  Empfangsort:

  Standort/Quelle:*)
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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