25.02.2022

Briefe



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ID: 26702
Geschrieben am: Dienstag 29.09.1846
 

Dresden d. 29 Septbr 1846
Meine liebe Milla,
mit größter Freude gehe ich an diese Zeilen, die Dir sagen sollen, daß wir uns nun doch wohl noch in Wien sehen werden, da wir die Warschauer Reise aufgegeben, und nun bestimmt in der ersten Hälfte des November’s nach Wien gehen. Du hattest sehr Recht, wenn Du sagtest, es sey besser vor Weihnachten nach Wien zu kommen, dies brachte uns dann auch zu dem Entschluß. Es wäre mir lieb, wenn Ihr es unter Eueren Bekannten ein wenig bekannt machtet, es würde uns doch in mancher Hinsicht nützen. Nun einige Fragen: werden wir ein trauliches Privatlogie, nicht zu theuer, in der Stadt finden? wir brauchen 2 Stuben, eine zum wohnen, eine zum schlafen, die jedoch so groß sein muß, daß meine Kleine sich am Tage manchmal darin aufhalten kann, und eine Küche. Höher aber als eine Etage wohnt mein Mann nicht, er kann es nicht vertragen hoch zu wohnen. Ferner, werde |2| ich eine Köchin finden, die uns kocht, aber auch das <Ubrige> Uebrige besorgt? auch sich meiner Marie gern annimmt, wenn wir ausgehen? es dürfte dann natürlich kein ganz gemeines Mädchen sein! was bekömmt so eine Person monatlich, und was kostet ein Privatlogie monatlich? es wäre herrlich, wenn wir das, wovon Du sprachst, gebrauchen könnten! ist es im ersten Stock? wie ich mich freue Dich noch zu sehen, kann ich Dir nicht genug beschreiben! ich bin auch so glücklich, daß ich nun doch eines meiner Kinder mitnehmen kann, was nach Warschau nicht gegangen wäre. Wenn Du mir schreibst, so schreibe mir nur, daß wir nicht zu spät kommen sollen, sonst verschiebt es mein Mann immer länger und länger, und das ist doch wirklich nicht gut.
Mir ist heute gar nicht wohl, daher nur diese wenigen Zeilen, die Du trotzdem (hoffe ich) lieber gelesen haben wirst, als manchen langen Brief von mir.
Grüße Elise herzlichst, und sage ihr nur, wie sehr ich mich freue sie zu sehen!
|3| Ich hoffe, Du beantwortest mir bald meine Fragen, und umarme Dich, bis auf wirkliches Wiedersehen, innigst
Deine
Clara.
Wir wohnen jetzt: Große Reitbahngasse
Nro 20, 1 Treppe.
Ich weiß gar nicht, wie ich diese Zeilen adressieren soll? wohin? – Du mußt mir immer Deine Adressen genauer angeben.
|4| Ihro Wohlgeboren
Fräulein Emilie List.
Abzugeben bei dem Herrn
von Pacher
in
Wien
Im Miller’schen
Gebäude.
Fr.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Dresden
  Empfänger: List, Emilie (962)
  Empfangsort: Wien
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 8
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit der Familie List und anderen Münchner Korrespondenten / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2022
ISBN: 978-3-86846-019-3
206ff.

  Standort/Quelle:*) Slg. Cornides 24a/b;
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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