19.12.2019

Briefe



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ID: 2745 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 28.12.1847
 

Geehrtester Freund,
ich bin mit der Sendung ein wenig aufgehalten worden, da Riccius Mehreres hatte, was ich nicht sogleich erhalten konnte.
Sie haben mir nicht geschrieben, wie stark Ihr Chor ist; ich war daher auch, als ich ans Suchen ging, etwas zweifelhaft wegen der vielstimmigen Sachen. Ich sende Ihnen Mehreres, da ja das Porto nicht hoch ist. Am besten brauchen werden Sie können: Claris Psalm, wo die Baßarie darin mir immer als Ideal hinreissender katholischer Innigkeit, schönen italienischen, an Mozart erinnernden Gesanges, zugleich mich an Büßerinnen italienischer Maler erinnernd, erschienen ist. Dann der kleine Satz von Nanini. Improperia sind sehr leicht, wenn Sie es besetzen können.
Ich habe mir aus dem Gröbsten die Stimmen ausgesucht, bitte also vorher genau nachzusehen. Miserere von Allegri sind die Stimmen nicht aus dieser Partitur, worauf ich sie aufmerksam mache. Groß können die Differenzen nicht sein. Wies in den Stimmen ist, glaub ich, ist es besser als in der Partitur. Sie sind nach einem Exemplar vom alten Hiller, glaub ich, geschrieben. – Haben Sie die Güte, mich bald wissen zu lassen, was Sie brauchen können, senden Sie das Andere mir zurück, u verlangen Neues.
Mehr als Palestrina u. s. f. werden Ihnen die Sachen aus der Zeit um 1700 brauchbar sein, wo von ich Ihnen auch senden kann; ich folgte nur Ihrer ausdrücklichen Weisung.
Senden Sie mir bald Ihren Beitrag für die Zeitschrift, u melden Sie mir, wie Ihnen meine Vorschläge gefallen haben. Schreiben Sie ohne Namen, so denkt Niemand an Sie. Dann ist der Vortheil, der mir aus Ihrer Thätigkeit erwüchse, nicht so groß. Schreiben Sie mit Namen, so finde ich Ihre Forderung ganz gerecht.
Ueber Griepenker habe ich noch viel zu schreiben. Dieß verspare ich aufs nächste Mal.
Freundschaftliche Grüße
von Ihrem
Brendel

Leipzig den 28ten Decemb. 47.

Riccius hat die 4-stimmigen Sachen Palestrinas, die Ausgabe von Tucher nur; ich habe es ihm gleich nach Empfang Ihres Briefes gesagt, wiederholt erinnert, geschickt, habe jetzt wieder 1/2 Tag gewartet, kann sie aber nicht bekommen. Ich sende sie, sobald er sie er giebt. Geben Sie mir nur eine nähere Nachricht über das, was Sie brauchen können. –

  Absender: Brendel, Franz (261)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
268ff.
 



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