19.12.2019

Briefe



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ID: 2746 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 08.09.1849
 

H Dr. Schumann
Geehrter Freund,
Mein Bericht, den Sie in der neuesten Nummer der Zeitschrift finden, war fertig, bevor ich Ihre Partitur erhielt. Ich ging dabei von der Erwägung aus, daß es sich um einen schleunigen Bericht handle, u beeilte mich. Als ich Ihre Partitur erhielt, hätte ich müssen einen anderen schreiben, u es wäre, sollte er ausführlicher werden, längere Zeit vergangen. Dieß hielt ich nicht für günstig. Insbesondere aber hätte ich den Stoff vorausgenommen; die Leute hätten das Werk nicht in Händen gehabt, u nicht vergleichen können. Beim Erscheinen im Druck wäre dann nicht mehr viel zu sagen gewesen, ich halte es aber für vortheilhafter, daß es dann erst geschieht, während im umgekehrten Falle die Anzeige schon alt gewesen wäre. Es hat mich aber sehr interessirt, die Partitur etwas zu durchstöbern. Der Bericht in der Deutschen Allgemeinen ist von mir.
Ein Haupthindernis ist der Text. Den Musikern ist er wild fremd, sie verstehen ihn nicht, darum muß man die Sache vor allen Dingen von dieser Seite angreifen. Meine Ansicht über die Musik kennen Sie schon u erfahren Sie noch etwas ausführlicher aus der Zeitschrift.
Eben kommt ein Brief von Frl. Beyer in Freiberg, die Sie wohl kennen. Sie hat Ihr Werk in Dresden gehört, u klagt die Klage – ich mußte lachen – die ich nun schon hundert Mal gehört habe, daß sie aus dem Texte nicht klug geworden sei. Das in seiner Mehrzahl frivole u sehr oberflächliche Leipziger Publicum weiß nun vollends mit solchem Text nichts anzufangen.
Die Partitur erhalten Sie in nächsten Tagen zurück. Wenn ich fertig bin, will Wenzel noch einige Blicke hinein thun. Wie ich höre, soll eine neue Oper von Conrad hier einstudirt werden. Schreiben Sie mir, ob ich nun endlich den Leuten in Bezug auf Ihre Oper etwas zu Leibe gehen soll. Wie ich höre, hat Rietz auch über die Faustmusik Gesichter geschnitten.
Ich schreibe eben ein Dutzend Briefe. Entschuldigen Sie also die Kürze. Noch Eins. Eine harte Zumuthung! Ich bitte um die Musikalien, so daß ich sie im October haben kann. Vielleicht findet sich Einer, der hierher reist, u sie mitnimmt. Vielleicht nehme ich sie auch selbst mit, da ich Ende dieses Monats nach Freiberg zu reisen hoffe.
ich bitte, daß Sie bis dahin immer Alles zusammenlegen, damit nachher, weil ich doch in Dresden nur kurze Zeit sein würde, kein Aufenthalt entsteht.
Freundschaftliche Grüße
von Ihrem
Brendel

Leipzig den 8ten Septemb. 49.

  Absender: Brendel, Franz (261)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
282ff.
 

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