19.12.2019

Briefe



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ID: 2748 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 11.10.1849
 

H Dr Schumann
Geehrter Freund,
Als ich Ihnen von Freiberg aus schrieb, hatte ich Ihren Brief nicht bei mir, u ich habe daher Einiges vergessen. Kistner sendet keine Musikalien, weil Senff wüthend auf mich ist; ich bitte daher um Uebersendung dessen, was bei Kistner erschienen ist.
Die Musikalien habe ich, als ich in Dresden war, nicht erhalten. Ich mußte eilen, noch Freitag Abend hierher zu kommen, weil ich fürchtete, die Setzer mögten einen Bock geschossen haben. Darum konnte ich Sie nicht besuchen. Eine Aufforderung, unserem Tonkünstler Verein beizutreten, habe ich wohl nie an Sie gerichtet. Es wurden Ihnen vor Jahr u Tag nur die gedruckten Sachen übersendet. Ich thue es jetzt, u spreche den Wunsch aus, daß Sie beitreten mögten; aus mehreren Gründen, von denen ich einige anführe. Wir werden immer mehr dahin wirken, daß Auswärtige beitreten (jetzt haben wir circa 10 auswärtige Mitglieder) damit Geld einkommt zu größeren Aufführungen von Manuscripten, u damit ein Anfang gemacht wird, Werke vom Verein drucken zu lassen. Wir werden ferner bald den Grundsatz aufstellen, daß von lebenden Tonsetzern nur die Werke derer, welche Mitglieder sind, aufgeführt werden, oder in milderer Form: daß die Werke der Mitglieder stets den Vorrang vor denen der Nichtmitglieder haben, so daß die letzteren nur ausgeführt werden, wenn die der ersten Art nicht vorhanden. – Ich erinnere mich, ich unterließ obigen Wunsch gegen Sie auszusprechen, weil ich immer hoffte, daß sich in Dresden ein Verein bilden würde. Da hierzu aber jetzt noch wenig Aussichten, so bestimmt mich dieß eben jetzt hierzu. Gründe anderer Art, welche Ihren Beitritt wünschenswerth machen, die Bewegung die daraus für Andere hervorgeht, die Steigerung des Interesse an der Sache, das immer lebendigere Interesse am Verein usw. übergehe ich, um noch Raum für Nachstehendes zu behalten. Wir suchen einen Concertmeister für die Euterpe. Königslöw u Köchy, denen wir deshalb schrieben, haben abgelehnt, der Erstere, weil er, glaub’ ich, nach Constantinopel geht, der Andere, weil er todtkrank ist. Wissen Sie Jemand, als Vorgeiger, der sich zugleich als Solist herausbrüsten kann, so bitte ich bald möglichst mich davon in Kenntniß zu setzen. Ebenso frage ich, ob Sie uns nicht eine jugendliche Sängerin, die ihre Laufbahn erst beginnt, vorschlagen können. Das ist der größte Mangel. Vielleicht ist in Dresden etwas zu finden. Für eine gute Anfängerin ist die Sache sehr vortheilhaft. Die Schwarzbach hat sich ihren Weg dadurch geebnet. Bitte, schreiben Sie mir darüber. Endlich noch Eins: Die Frage, ob Ihre Gattin in der Euterpe spielen würde? Die Dummheiten unter der früheren Direction sollen natürlich nun Weg, daß man Stümper zuließ usw. Lipinski hat im letzten Euterpe Concert gespielt, es ist also der Weg gebahnt für einen Aufschwung der Euterpe. Ueber das Honorar kann noch nichts bestimmt werden, da die Subscription noch nicht eröffnet ist. – Das größtmögliche, was die Mittel der Euterpe erlauben – (es ist jetzt gar kein Fonds da). Es würde nicht hinderlich sein, wenn Ihre Frau Gemahlin früher im Abonnementconcert spielen wollte. Somit wäre zugleich beseitigt, wenn man es dort nicht gerne sehen sollte. Beim Honorar fällt mir ein, daß das für Ihren Artikel den englischen Canon betreff., keineswegs vergessen ist. Ich dachte immer, weil es nur eine Kleinigkeit aus Ihrer Feder ist, es sollte mehr dazu kommen. Die Kosten für den Tonkünstler Verein sind 1/2 Thal Eintrittsgeld und 2 Thal jährl. Beiträge.
Freundschaftliche Grüße
von Ihrem
Brendel

Leipzig den 11ten Octob. 49.

  Absender: Brendel, Franz (261)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
290ff.
 

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