19.12.2019

Briefe



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ID: 2750 Brieftext


Geschrieben am: Montag 05.11.1849
 

H Dr. Schumann
Geehrter Freund,
Die Subscription für die Euterpe hat einen guten Fortgang gehabt; es sind bis jetzt circa 300 Subscribenten. Damit sind die Kosten zwar noch nicht gedeckt, aber viele Leute entschließen sich erst, wenns angeht, das ist bei einem solchen Anfang die Aussicht auf gutes Gelingen. In einem Ihrer früheren Briefe, wo Sie von dem Spiel Ihrer Frau Gemahlin sprechen, lese ich: „meine Frau wird in der Euterpe spielen, sobald sie, einem gegebenen Versprechen zufolge, im Gewandhaus gespielt hat.“ Und dann weiter: „beim Durchlesen der vorigen Seite fällt mir auf, daß Sie die Worte – einem gegebenen Versprechen zufolge – am Ende so deuten könnten, als hätte meine Frau versprochen, nicht eher in der Euterpe zu spielen, als bis sie im Gewandhaus gespielt. Dieß ist nicht der Fall; nur hat sie auf eine schon zu Anfang der Concerte ausgesprochene Einladung zu spielen versprochen.“ Hier ist mir noch eine Unklarheit. Heißt die Erklärung, daß blos ein solcher Contract hinsichtlich der Euterpe nicht Statt gefunden hat; übriges aber Ihre Gattin erst im Gewandhaus u dann in der Euterpe spielen wird, – oder heißt es, daß Ihre Frau Gemahlin einerlei sein würde, ob sie zuerst in der Euterpe oder im Gewandhaus spielt? Ich glaube, die erste Auslegung ist die richtige; sollte aber Ihre Frau Gemahlin geneigt ein, zuerst in der Euterpe zu spielen, (ohne Rücksicht auf ein vorgängiges Auftreten im Gewandhaus) so würde ich sie ersuchen, Mitte dieses Monats im ersten Concert der Euterpe zu spielen. Dieß ist der Zweck meines Briefes. Uebrigens heißt es, Sie würden bald hierher kommen. Sollte Ihre Frau Gemahlin vielleicht in einem der beiden nächsten Gewandhausconcerte spielen, so könnte sie dann auch noch in jedem Falle im ersten Concert der Euterpe spielen. Ist von allen diesen Möglichkeiten nicht die Rede, so bitte ich Sie, mir ohngefähr anzugeben, wann Ihre Frau Gemahlin in der Euterpe spielen würde. Zugleich bitte ich Sie dann, daß Sie die Güte haben, inliegenden Brief durch Stadtpost schleunigst an Wieck zu befördern, d. h. nur in dem Fall, daß Ihre Fr. Gemahlin bei uns nicht im ersten Concert spielt, im entgegengesetzten Fall ist er nutzlos u Sie können ihn in den Ofen werfen. Der Brief an Wieck enthält eine Einladung, daß Marie im ersten Concert spielt. In jedem Falle bitte ich Sie um ein paar Zeilen baldiger Antwort; wir haben bis zum ersten Concert nicht viel Zeit mehr zu verlieren, u doch konnte ich auch eher etwas Bestimmtes nicht gut unternehmen, da wir von der Subscription abhängig waren. Frau Tittel wird singen.
Ihr ergebener
Brendel

Leipzig den 5ten Novemb.

  Absender: Brendel, Franz (261)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
296ff.
 



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