19.12.2019

Briefe



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ID: 2757 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 08.07.1853
 

Geehrter Freund,
Entschuldigen Sie mein langes Schweigen. Ich hatte eine Zeit lang die Correspondenz ausgesetzt da ich an einem Buche arbeite.
Dann kam Anfang voriger Woche die plötzliche Nachricht der lebensgefährlichen Krankheit meiner Mutter, die mich veranlasste nach Hause zu reisen. Ich bin erst vorgestern Abend zurückgekommen. Was die Sendung der Zeitschriftregister an Sie betrifft, so ist diese Angelegenheit vor Jahr u Tag einmal zwischen Hinze, Whistling u mir zur Sprache gekommen. Es ergab sich nämlich, dß Whistling die für Sie bestimmten Exemplare benutzte, Ihnen am Jahresschluss übersandte, vorher aber in seinem Lesecirkel cursiren ließ. Ich ging Whistling deshalb zu Leibe u er sagte pater peccavi: Um es ihm aber für die Zukunft unmöglich zu machen sandte Hinze ein paar No durch Bayrhofer. Hierauf beklagte sich Whistling bei Hinze u bat um Beibehaltung der früheren Einrichtung, worauf Hinze nothgedrungen einging. Er hat aber wohl nur 2 Exempl. expedirt um am Schluß des Jahres Ihnen eins vollständig zu übersenden. Die Expedition durch Whistling hat immer etwas Mißliches und ist ihm, wenn er 3 Exempl. zur Disposition hat, nicht recht zu trauen. Theilen Sie mir nun gefälligst mit, wie sie glauben, dß am besten aus dieser Klemme zu kommen sei. Verlangen Sie augenblickliche wöchentliche Übersendung der 3 Exempl. durch Whistling, so sollte ich meinen daß es ginge. Nur müßten Sie fest darauf bestehen, u nicht seinen Cunctator Gewohnheiten nachgeben. Ich gebe nun Hinze den Auftrag, Ihnen das Fehlende nachzuliefern; muß indeß bemerken, daß der 36te u 38te Band vergriffen sind, u bezüglich dieser es also unmöglich ist, Ihnen das Fehlende zu liefern.
Haben Sie also die Güte festzustellen, wie es gehalten werden soll, ich werde dann darauf sehen, dß dem nachgekommen wird.
Es lasten im Augenblick eine Menge Briefe auf mir. Entschuldigen Sie demnach, wenn ich heute blos diese Geschäftssache erledige. Und die Frage: Ist denn in Düsseldorf gar kein leidlicher Correspondent aufzutreiben, der dann u wann wenigstens Notizen einschicken könnte? So hat es mir Leid gethan über ds Musikfest6 gar nichts zu erhalten.
Ihr
Brendel

Leipzig den 8ten Juli 53.

  Absender: Brendel, Franz (261)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
317ff.
 



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