19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 2758 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 29.07.1853
 

Geehrter Freund,
Ihrem Auftrage und Wunsche gemäß habe ich die Sache geordert: Sie erhalten nun durch Bayrhofer wöchentlich 1 Ex erst; außerdem eins am Schlusse des Bandes. Von den vorigen Jahrgängen soll Ihnen Hinze liefern, was er kann.
Ihre Idee der Herausgabe Ihrer frühen Recensionen u Aufsätze halte ich für eine sehr glückliche. Ich habe darüber mit Hinze gesprochen, der daran schon durch eine früher von Ihnen hieher gelangte Mittheilung unterrichtet war. Hinze hat durch die Betrügerei eines Verwandten u. sonst in diesem Jahre so große Verluste gehabt, dß er, um sich heraus zu reißen, einen Compagnon sucht (dieß natürlich als eine Mittheilung, von der Sie keinen Gebrauch machen mögen) Bevor ihm dieß Compagnongesuch gelungen, kann er wenigstens in diesem Jahr, auf eine größere Unternehmung nicht eingehen. Im Uebrigen stehen seine Sachen nicht schlecht; u wenn es ihm gelingt, augenblicklich den Stoß auszuhalten, kann er vielleicht auch ohne die bezeichnete Aushilfe im nächsten Jahre Etwas übernehmen. Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir, Sie noch auf einen Umstand aufmerksam zu machen. Er betrifft die Eigenthumsverhältnisse Ihrer Zeitschriftenbände zu Friese. Ich bin darüber nicht ausreichend unterrichtet, u weiß nicht, ob Sie über Ihre Arbeiten frei disponieren können, oder ob nicht vielleicht die Frieseschen Erben Ansprüche darauf erheben.
Jedenfalls mache ich Sie darauf aufmerksam, dß der Mann der Cäcilie Friese u gegenwärtige Geschäftsinhaber so weit mir bekannt, ein sehr unangenehmer Patron ist (dieß gleichfalls unter uns) u daß Sie deshalb vorsichtig sein müssen, um nicht in Streit zu gerathen. Ich wenigstens bin froh, dß ich alle Beziehungen abgewickelt habe, denn die Häkeleien hörten nicht auf. Bevor Sie mit einem Verleger ein Geschäft eingehen, müßte das jedenfalls erst geordnet sein, denn ich bin sicher dß nachher die Beschwerde von der Frieseschen Seite käme.
Ich bin mit dem Entwurf meines Buches fertig, u fange jetzt an, für den Druck zu schreiben damit dasselbe womöglich zu Michaelis erscheinen kann. Da muß ich aber freilich tüchtig dran.
Haben Sie die Güte mir Nachricht zu geben, nach Verlauf einiger Zeit, ob Sie die frühern Bände erhalten haben u ob die Expedition durch Bayrhofer in Ordnung, damit ich erfahre, ob Alles nun in Ordnung.
Mit freundschaftlichem Gruß
Ihr
Brendel

Leipzig den 29ten Juli 53.

  Absender: Brendel, Franz (261)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (14753)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
321f.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.