25.02.2022

Briefe



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ID: 2759
Geschrieben am: Montag 31.10.1853
 

Geehrter Freund,

beifolgend die gewünschten Exemplare. Franz war gerade am Freitag zur Zeit des Druckes längere Zeit bei mir, ich hatte mit ihm über die Hinrichs’sche Fortsetzung zu verhandeln, der nun endlich diese Woche erscheint. Alle Betheiligte, hart Angegriffene haben Ihre Zustimmung zum Druck gegeben, u ich kann annehmen, dß Sie nicht der Einzige sind, der dagegen sich sträuben würde. Nach unendlichem Briefschreiben, Verhandeln u Erwägen sind wir dahin gekommen, dß das der beste Ausweg in dieser verzweifelten, verzwickten Geschichte ist. Natürlich mache ich Anmerkungen, u werde auch der Sie betreffenden Anmerkung eine solche beifügen. Die Verhältnisse stehen sich jetzt weit schwieriger als ehemals, denn die Brüderschaften u Verbindungen stehen sich weit schroffer gegenüber. Ich habe großer Freiheit der Meinungsäußerung Raum gegeben, nie aber gehässigen Kundgebungen, u derartiges, auch was z. B. Sie betraf, stets unterdrückt. Ein Urtheil, wie das gegenwärtige würde ich nicht gedruckt haben. Jetzt aber muß es mit geschehen. Die Ehre erfordert es. Meine Gesinnung für Sie ist dieselbe wie früher, dieß wünsche ich von Ihnen nicht verkannt zu sehen. Bedenken Sie wie schroff Hinrichs gegen Wagner z. B. aufgetreten ist. Wir dürfen vor schroffen Kundgebungen nicht erschrecken. Ds ist mein Gesichtspunct. Nur darauf ist zu sehen, dß sie würdig gehalten sind, u dß ich z. B. nicht so weit gehe, in Widerspruch mit meinem Princip zu gerathen. Die Hinrichssche Fortsetzung geht soweit, dß das der Fall ist, u ds war der Stein des Anstoßes. Er muß aber überwunden werden. Zudecken hilft nichts, sondern offener Kampf, Widerlegung. So mag Hinrichs sprechen. Es ist dafür zu sorgen, dß schnell ihm gegenüber getreten werde. So weit in aller Eile. Ich hätte Ihnen Vieles zu schreiben, die Correspondenz nimmt aber so zu, dß ich sie hin u wieder kaum bewältigen kann. Aus dem Grunde der Franzschen Anwesenheit ist ein Mißverständnis vorgekommen. Sie erhalten überwiegend beifolgend nur die ganzen Bogen, in geringerer Zahl die Halben mit. Das ist in der Druckerei versehen worden. Doch glaube ich, dß Ihnen das gleichgültig sein wird, da es Ihnen doch nur auf Ihren Aufsatz ankommt. Schreiben Sie mir bald, u lassen Sie uns, wie früher, auch jetzt u weiter vereint wirken
Ihr
Brendel.

Leipzig den 31ten October 53.

  Absender: Brendel, Franz (261)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
326f.

  Standort/Quelle:*) PL-Kj, Korespondencja Schumanna, Bd. 26/2 Nr. 112
 
*) Die Auflösung der Kürzel für Bibliotheken und
Archive finden Sie hier: Online Directory of RISM Library Sigla
 
 



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