19.12.2019

Briefe



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ID: 2791 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 12.01.1850
 

Mein lieber Schumann,

Dein Brief hat mich herzlich gefreut, er beweist mir daß Du meiner noch freundlich gedenkst. Ich hatte allerdings zu Mitte Februar Engagements in Bremen u. Hamburg angenommen, habe dieselben aber, mit in Berücksichtigung Deiner Hierherkunft, wieder abgeschrieben. Unsre besten ersten Geiger: Joachim u. Zahn sind verreist und da darf ich doch die arme erste Geige nicht auch noch verlassen. Ich bleib also und freue mich herzlich darauf Dir aus alten Kräften beizustehen. Für Deine Oper scheint mir ein vortrefflicher Moment zu seyn, alles ist ausgehungert auf etwas Ordentliches. Du <> kannst Dich des Allerfreundlichsten Entgegenkommens von allen Seiten versichert halten. Jetzt wird, so viel ich weiß eine Oper von Conrad einstudirt. Das Diamantkreuz von Salomon hat, trotz vieler Schönheiten in der Musik keinen rechten Anklang gefunden. Mir hat vieles darin ausserordentlich gefallen und ich glaube daß eine spätere Oper von ihm mit vollständig genügendem Texte sehr schön werden kann. - Ich bin einige Tage krank gewesen und fühle mich erst heute wieder wohler; es scheint daß ich mich musikalisch etwas übernommen habe, meine Nerven wollen nicht mehr recht pariren . - So gegen den 11t Februar soll das Orchester-Pensions-Concert statt finden, wir machen als 2t .Theil zum ersten Male die Chöre zum Oedipus mit verbindendem Gedichte. Könntest du uns ein neues Stück zum 1sten Theile geben? Womöglich für Orchester? Auf sorgfältigstes Probiren, <> (unter Direkzion[sic] des Componisten wärs am schönsten) und auf dankbare Herzen kannst Du rechnen. Ganz leise wage ich auch anzuklopfen ob vielleicht Deine verehrte Frau uns ein Stück spielte, das würde uns sehr beglücken. Du weißt, lieber Schumann, daß wir alle Mittel anbieten müssen, unser Conzert interessant zu machen, und nimmt es mir also nicht übel daß ich so geradezu anfrage; Sage mir nun ganz aufrichtig was wir zu hoffen haben. Ich habe bis jetzt Niemandem von dieser Aufforderung etwas gesagt. - Mit grosser Freude habe ich von dem Erfolge der Peri in Dresden gehört. Hoffentlich bekommen wir sie hier auch während Deiner Anwesenheit zu hören. Auch auf dein 2tes Trio, welches ich gestern angekündigt las, freue ich mich – kurz ich hoffe wir wollen frohe Tage nach alter Art verleben. Die guten Freunde zerstieben in alle Welt, wenn sie nicht sterben, Man muß auch die wenigen die nochbleiben erhalten; bleibe mir gut, lieber Schumann und sey überzeugt daß ich immer bleibe
Dein alter Freund
Ferdinand David

Lpzg 12t Jan 1850.

Die herzlichsten Grüsse <>Deiner verehrten Frau. Die Meinige grüßt
Euch beide
d. O.

[BV-E, Nr. 3815:] F. David. [Versand:] fr. [beantwortet:] NB.

  Absender: David, Ferdinand (339)
  Absendeort: Leipzig
  Empfänger: Schumann, Robert (1455)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
307ff
 



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